Real Madrid-Präsident lästert über seine Spieler


© EFE

Die abwertenden Worte Calderóns wurden heimlich aufgenommen und den Medien zugespielt

Tagelang beherrschte Mitte Januar die Tatsache die spanischen Sportnachrichten, dass Real Madrid-Star David Beckham ab Juni zum US-amerikanischen Verein Los Angeles Galaxy wechselt. Häme bei den einen und Enttäuschung bei den anderen verursachten, dass der modebewusste Fußballstar tagelang kaum noch aus den Medien wegzudenken war.

Madrid – Das änderte sich jedoch schlagartig, als am 16. Januar die Kommentare bekannt wurden, die Real Madrid-Präsident Ramón Calderón im Rahmen einer Konferenz in der Madrider Complutense-Universität zum Besten gab. Vor den Konferenzteilnehmern, den Rechtsstudenten des 5. Studienjahres, ließ sich der umstrittene Präsident zu diversen, äußerst abwertenden Kommentaren über die Spieler seines Vereins hinreißen, ohne zu wissen, dass ein Teilnehmer seine verbalen Entgleisungen aufnahm und später den Medien zuspielte. So war bereits in den Abendnachrichten die Empörung groß, denn Calderón ließ kaum ein gutes Haar an den Fußball-Stars.

So plauderte er nicht nur regelrecht intime Details aus den Umkleidekabinen der Real Madrid-Mannschaft aus und machte sich über die „Eitelkeit der Spieler“ lustig, deren kulturelles Niveau einiges zu wünschen übrig ließe. Nein, er beschuldigte die Spieler auch, nie zu bezahlen, wenn sie beispielsweise in einem Restaurant dinieren würden. Besonders übel nehmen dürften ihm aber auch die Fans des Fußball-Clubs sein niederschmetterndes Urteil über die Fangemeinde, die regelmäßig das Bernabéu-Stadion besucht. Im Gegensatz zu dem in Italien oder Großbritannien üblichen Enthusiasmus habe man in Madrid eher den Eindruck, dass die Fans zu einem Theaterbesuch gekommen wären. Zu guter Letzt zog er auch noch über Beckham her, der nach Hollywood ginge, um dort eine Art „Schauspieler“ zu werden. Außer von den Amerikanern habe es kein Angebot für den britischen Glamour-Fußballer gegeben, der seinen Sportlerzenit bereits überschritten habe.

Obwohl sofort durch eine offizielle Entschuldigung seitens Calderón versucht wurde, den schlimmsten Schaden einzudämmen, ist noch unklar, ob er seinen Posten nach diesen Aussagen wird halten können. Calderón jedenfalls scheint Willens und lässt nichts unversucht, seinen Fehltritt wieder hinzubiegen.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.