„Online“ heranwachsen


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Ein Fenster in die Welt für junge Menschen in bevölkerungsarmen Gebieten

Madrid – Die 63.000 Quadratkilometer große „Serranía Celt­ibérica“ ist mit acht Bewohnern je Quadratkilometer, das menschenleerste Gebiet der Iberischen Halbinsel. Auch bekannt als das „spanische Lappland“, liegt der Gebirgszug auf einer Höhe von bis zu 1.300 Metern.

1.632 Gemeinden ziehen sich durch diese bergige Landschaft, 76% der Dörfer liegen 45 Autominuten voneinander entfernt.

Mit einem Durchschnittsalter von fünfzig Jahren steht das „spanische Lappland“ an der Spitze Europas in Sachen Alterung und Geburtenrückgang.

Auch das kleine Dorf Salduero mit seinen 144 Bewohnern ist vom anhaltenden Bevölkerungsschwund betroffen. Carmen (17), ihre 14 Jahre alte Freundin Ana und der dreizehnjährige Alejandro sind die einzigen schulpflichtigen Bewohner des kleinen Ortes. Ein Schulbus sammelt die Schüler in den vielen kleinen Dörfern ein. Im Winter oft mit erheblicher Verspätung wegen starker Schneefälle und mangelhafter Infrastrukturen.

Für diese jungen Leute sind Internet und digitale Medien das Fenster in die Welt. Mithilfe ihrer Smartphones, Tablets oder Rechner bleiben sie mit anderen Jugendlichen in Verbindung. Auch ganz alltägliche Beschäftigungen junger Leute wie ein Schaufensterbummel gehen in diesen Orten nur online. Meist nicht einmal zu Hause, sondern im Internetcafé.

Das Gymnasium verfügt über dreißig Rechner, einen Projektor und elektronische Tafeln. Die Hausaufgaben werden ausschließlich online gemacht.

Seit 20 Jahren ist Gerardo García Direktor der Schule in Covaleda. Zu Beginn besuchten 240 Kinder die Schule, heute sind es nur noch 140. „Der Zugang zu Internet und den digitalen Medien kann den Bevölkerungsschwund wohl nicht verhindern, aber sicherlich verlangsamen“, meint er. Viele Jahre arbeiteten die Bewohner des kleinen Ortes in der Holzfabrik, die in den Krisenjahren jedoch schließen musste. Durch die wenigen Touristen können sich die Anwohner ihren Unterhalt nicht verdienen. Darum bleibt vielen Menschen keine andere Wahl, als fortzuziehen.

Bürgermeister Bonilla spricht kritisch über das Netz. „Wenn mehrere Einwohner gleichzeitig online gehen, wird die Verbindung entsprechend langsam“. Im Laufe des Jahres soll jedoch die Glasfaser die kleinen abgelegenen Ortschaften erreichen. Aus einem aus 2017 stammenden Bericht des Statistikamtes INE geht hervor, dass 86% der spanischen Haushalte über einen Internetanschluss verfügen, bei 28% der vernetzen Haushalte liegt die Geschwindigkeit jedoch unter 100 Mega.

Mag es auch ungewöhnlich klingen, aber die Eltern der jungen Menschen, die in diesem abgelegenen Gebiet Spaniens leben, klagen kaum über die Zeit, die ihre Kinder im Netz verbringen. Denn sie selbst machen auch regen Gebrauch davon, um sich über das Weltgeschehen zu informieren und um mit Freunden und Familie in Verbindung zu bleiben. Und wenn die „Auswanderer“ in den Sommermonaten in ihre Dörfer zurückkehren, denkt keiner ans Internet. Das Leben findet dann wieder auf den Dorfplätzen statt.

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