Die Königliche Artilleriefabrik von Sevilla tauscht Kanonen gegen Kunst


Die „Real Fábrica de Artillería“ in Sevilla fertigte seit dem 16. Jahrhundert Waffen. Die Kanonen der Schiffe der Spanischen Armada stammten aus dieser Produktionsstätte, die im Barockstil erbaut wurde. Foto: Barbara Walsh

Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude wird dank eines europäischen Fonds zum „Magallanes-Zentrum“

Sevilla – Vor zwölf Jahren überließ das spanische Verteidigungsministerium der Stadt Sevilla einen aus dem 18. Jahrhundert stammenden Industriekomplex von insgesamt 22.000 qm, direkt im Zentrum der andalusischen Hauptstadt.

Seitdem gab es verschiedene Projekte, die aber immer an der Finanzierung scheiterten. Nun hat die EU für Portugal und Spanien ein Finanzierungspaket von 27 Millionen Euro verabschiedet, von denen 18,5 Millionen Euro Spanien zugeteilt wurden. Aus der Fabrik, die seinerzeit weltweit gefürchtete Projektile herstellte, soll nun eine kulturelle Einrichtung werden.

„Die Artilleriefabrik soll ein großes kulturelles Zentrum artistischer Kreativität auf nationaler und internationaler Ebene für bildende und darstellende Kunst werden, einschließlich Kino- und Zirkusperformance“, so Antonio Muñoz, Stadtrat für Kultur der andalusischen Hauptstadt.

Das Zentrum soll den Namen „Centro Magallanes“, zu Ehren des berühmten portugiesischen Seefahrers tragen, der 1519 von Sevilla aus in See stach.

8.000 Quadratmeter für Räumlichkeiten in Sachen Coworking, Workshops für aufstrebende Künstler, Ausstellungsräume und auch Unterstützung für die kulturelle Industrie sind vorgesehen.

Die Industrie-Anlage wurde im 18. Jahrhundert unter der Leitung des Militäringenieurs Próspero Verboom und des schweizerischen Stückegießers und Erfinders Jean Maritz erbaut. Anfangs wurden die Wasserräder von Eseln angetrieben und mit der erzeugten Energie die Kanonenrohre gefräst. Später dann wurde der Antrieb durch Dampf erzeugt. Das Gebäude wurde an die ständigen Neuerungen angepasst.

Die Königliche Artilleriefabrik war noch bis 1991 in Betrieb und wurde im Laufe ihrer Geschichte stückweise mehrmals notdürftig renoviert.

Seit 2015 hat die Stadtverwaltung von Sevilla 2,8 Millionen Euro in die Instandhaltung und Verschönerung des Bauwerks investiert und plant auch geführte Besuche.

Die Herausforderung der kompletten Instandsetzung des Magallanes Zentrums hat ein von der EU vorgegebenes Datum, das Jahr 2021, in dem der 500. Todestag von Magellan begangen wird.

Im Rahmen der zukünftigen Finanzierung spielt die Stadtverwaltung von Sevilla auch mit dem Gedanken, eine private Filmschule in dem Kulturzentrum einzurichten.




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