Kommt das TMT nach La Palma?


© Pablo Bonet

Die Baugenehmigung für das 30-Meter-Spiegelteleskop am Mauna Kea auf Hawaii wurde zurückgezogen

Wenn zwei sich streiten, kann sich manchmal ein Dritter freuen. Der seit Jahrzehnten währende Kampf der hawaiianischen Ureinwohner um ihren heiligen Berg Mauna Kea beginnt Erfolge zu zeigen und stellt dadurch andererseits ein faszinierendes wissenschaftliches Projekt des „California Institute of Technology“ infrage.

Der Bau des TMT, eines riesenhaftes Teleskops, welches von der Erde aus tiefer in den Weltraum schauen soll als selbst das Weltraumteleskop Hubble, sollte schon 2014 beginnen und 2022 abgeschlossen sein. Doch die Proteste der Bevölkerung haben das Projekt ausgebremst, und es ist bis auf Weiteres nicht sicher, ob der Bau noch genehmigt wird. 

Nun könnten die Kanaren unerwartet von dieser Entwicklung profitieren. Der Roque de los Muchachos auf La Palma wird vom Wissenschaftsrat des TMT als einer von mehreren möglichen Ausweichstandorten in Betracht gezogen.

Das TMT (Thirty Meter Telescope) ist ein Spiegelteleskop mit einem Durchmesser von 30 Metern. Eine adaptive Optik sorgt für den Ausgleich von Luftverwirbelungen. Das Teleskop ist ein Projekt des California Institute of Technology und verschiedener kanadischer Universitäten. Es soll eine bis zu zehnfach höhere Auflösung als das Hubble Space Telescope ermöglichen und so die Grenzen des beobachtbaren Weltraums ausdehnen können. 

Im vergangenenDezember nun hat ein hawaiianisches Gericht aufgrund der massiven Proteste der Ureinwohner die schon erteilte Baugenehmigung wieder zurückgenommen und entschieden, dass alle interessierten Gruppen nochmals gehört werden müssen, bevor die Errichtung des gigantischen Teleskops neben dem Gipfel des Mauna Kea beginnen kann. Die Teleskope, welche die NASA in den letzten Jahrzehnten wegen der guten Sichtbedingungen dort gebaut hat, waren den Ureinwohnern schon immer ein Dorn im Auge, weil der Mauna Kea eine heilige Stätte, der Sitz der hawaiianischen Götter, ist. 

Da der Genehmigungsprozess nun ergebnisoffen neu beginnt, sucht die Projektleitung des TMT vorsoglich nach alternativen Standorten und hat Wissenschaftler nach China, Indien Chile und Mexiko entsandt, um die Gegebenheiten vor Ort zu begutachten. Dank des Einsatzes von Rafael Rebolo, dem Direktor des Kanarischen Astrophysikalischen Instituts (IAC), der den Wissenschaftsrat des TMT anschrieb, um auf die Kanaren als geeigneten Standort hinzuweisen, kam Gary Sanders, der Leiter des Rates, im März nach La Palma, um den Roque de los Muchachos in Augenschein zu nehmen. Die Bedingungen auf La Palma sind ähnlich gut wie auf Hawaii. Ein Gesetz zum Schutz des Nachthimmels schützt zudem vor  „Lichtverschmutzung“, welche die Qualität der Beobachtung einschränken könnte. 

Besonders beeindruckt zeigten sich die Verantwortlichen des TMT davon, wie kostengünstig die Teleskope auf dem Roque de los Muchachos betrieben werden können. Das Jahresbudget des TMT von vierzig Millionen Dollar könnte dort um nahezu die Hälfte reduziert werden. Noch im April soll eine weitere Expertengruppe anreisen und detaillierte Informationen sammeln. 

Die Planer des TMT haben keine Zeit zu verlieren, denn ein europäischer „Rivale“, das „Extrem Große Teleskop“ E-ELT mit 39 Metern Spiegeldurchmesser soll schon 2024 in Chile den Betrieb aufnehmen. 




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