Kanaren – bald wieder Einkaufsparadies für Festlandstouristen?


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Am 1. September wird die auf dem Festland geltende Mehrwertsteuer auf 21% angehoben

Im Rahmen des größten Sparpakets der spanischen Geschichte, beschlossen im Juli von der Regierung Mariano Rajoys (das Wochenblatt berichtete), wird ab 1. September die auf dem Festland geltende Mehrwertsteuer IVA von 18% auf 21% angehoben.

Bei Bekanntwerden der Maßnahme wurden auf den Kanaren einige Stimmen laut, die negative Auswirkungen für die Inseln befürchteten, doch mittlerweile sind sich die Experten darüber einig, dass die Kanaren sogar profitieren könnten.

Jesús Velayos, Vizeleiter des Finanzressorts, äußerte zu diesem Thema, die steuerbedingte Preisanhebung auf dem Festland werde sich nicht auf die hiesigen Preise und auch nicht auf die kanarischen Unternehmer und Verbraucher auswirken. Der Vertreter der Regionalregierung erklärte, alle vom Festland auf die Kanaren eingeführten Waren seien von der IVA befreit. Einzig und allein der Verkauf hiesiger Produkte auf dem Festland könnte unter dem zu erwartenden Konsumrückgang leiden.

Velayos wagte sogar die Vermutung, dass sich die IVA-Anhebung positiv auf die Kanaren auswirken könne, denn ab dem 1. September würde sich der Abstand zwischen IVA und der kanarischen Mehrwertsteuer IGIC (die kürzlich von 5% auf 7% angehoben wurde) auf 14 Prozentpunkte erhöhen. Infolgedessen „werden die Kanarischen Inseln ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern und wieder zum interessanten Shopping-Ziel“. Des Weiteren würden kanarische Urlaubspakete für Festlandstouristen attraktiver werden.

Abbas Moujir, Generalsekretär des Handelsverbandes Fauca, stimmte in dieser Hinsicht mit Velayos überein und hob hervor, der Preisunterschied zum Festland werde dem kanarischen Handel – richtig genutzt und gut vermarktet – neue Chancen bieten.

Jorge Marichal, Präsident des Hotelverbandes Ashotel, zeigte sich verhaltener und wies darauf hin, dass jegliche Steueranhebung negativ sei. Allerdings erkannte auch Marichal an, dass die Kanaren von der Preisanhebung in anderen spanischen Urlaubszielen profitieren könnten. Ob die spanischen Transportgesellschaften die Abgabenerhöhung auf die Reisenden umwälzen werden, sei noch ungewiss, zeigten Vertreter der Reisebürovereinigung APAV an.

Francisco Gómez, Sprecher des Importverbandes Adican, erklärte, die Waren auf den Kanarischen Inseln würden im Vergleich zu den anderen autonomen Regionen erheblich billiger werden – ein Vorteil für die Inseln. Allein der Warentransport könnte von der Anhebung der IVA betroffen sein, doch schloss Gómez negative Auswirkungen für die hiesigen Produzenten und Verbraucher aus.




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