Schwere Unwetter


Torre Pacheco (Murcia) gehört zu den am stärksten betroffenen Ortschaften. Foto: EFE

Infolge eines „Kaltlufttropfens“, der Mitte September Teile Südostspaniens in ein Katastrophengebiet verwandelte, kamen sechs Menschen ums Leben

Madrid – Am 12. September erreichte ein sogenannter Kaltlufttropfen, ein schwer einzuschätzendes Wetterphänomen, die südöstliche Mittelmeerküste Spaniens. Mehrere Tage lang brachen die heftigsten Regenfälle seit Beginn der Aufzeichnungen auf die Provinzen Murcia, Alicante, Valencia und Almería herein. Im Epizentrum lag die Stadt Orihuela (Alicante). Zahlreiche Flüsse, insbesondere der Segura, traten über die Ufer. Es kam zu massiven Überschwemmungen. Straßen und Tunnel wurden überflutet, das Wasser drang in Tausende Häuser ein. Sechs Menschen kamen ums Leben. 3.500 Personen mussten evakuiert werden.

Bereits am 10. September erreichte das Unwetter – ein Höhentief in der oberen Troposphäre, das am Boden nicht als Tiefdruckgebiet erkennbar ist, jedoch dieselben Wettererscheinungen aufweist – die Balearen und Katalonien, am 12. September die Provinzen Valencia, Alicante, Murcia, Almería und Albacete.

In kürzester Zeit brachen gewaltige Regenfälle über den Südosten Spaniens herein. In der 80.000 Einwohner umfassenden Gemeide Orihuela, dem Epizentrum des Unwetters, wurde innerhalb von 48 Stunden eine Niederschlagsmenge von mehr als 400 Litern pro Quadratmetern gemessen. Teile der oben genannten Provinzen wurden in kürzester Zeit überschwemmt. Flüsse, insbesondere der Segura, traten über die Ufer. Aufgrund der Wassermassen, die Orihuela von der Umwelt abschnitten, ganze Landstriche unter den Fluten versinken ließen, Straßen und Tunnel überschwemmten und in unzählige Häuser eindrangen, mussten 3.500 Menschen evakuiert werden.

Vom 12. bis zum 15. September kamen sechs Menschen ums Leben. In Caudete (Albacete) ertranken zwei Brüder in ihrem von den Wassermassen mitgerissenen Fahrzeug. In Almería und Granada regnete es zwar nicht ganz so heftig wie in Alicante, doch starben hier zwei weitere Menschen durch das Unwetter. In Almería ertrank ein Mann in seinem Fahrzeug im Inneren eines Tunnels, der sich in kürzester Zeit mit Wasser gefüllt hatte. Ein weiterer Mann wurde bei Baza (Granada) tot aufgefunden. In Benferri (Alicante) wurde ein Mann von den Fluten mitgerissen, in Orihuela wurde ein weiterer Ertrunkener geborgen.

Mehr als 1.100 Soldaten und zahlreiche Fahrzeuge, Boote, Jetskis, Drohnen und Hubschrauber wurden in die betroffenen Gebiete gesandt, um die Einwohner zu evakuieren. Es spielten sich dramatische Szenen ab. Menschen wurden von Autodächern gerettet, gebärende Frauen mit dem Hubschrauber in die Klinik geflogen, Menschen von Einsatzkräften aus Wassermassen gerettet, tote Tiere angeschwemmt.

Mehr als 80 Straßen, darunter 11 des Hauptverkehrsnetzes, wurden gesperrt, der Zugverkehr in den Regionen unterbrochen und die Flughäfen von Murcia und Almería zeitweise gesperrt.

Der amtierende Präsident Pedro Sánchez, der die betroffenen Gebiete im Hubschrauber überflog, erklärte, man sei kurz davor, die Provinzen zum Katastrophengebiet zu erklären.

Die materiellen Schäden gehen ins Unermessliche.

Am 15. September zog der Kaltlufttropfen in das Landesinnere weiter. Der Alarmzustand wurde in vier Provinzen aufgehoben, in weiteren 14 aufrechterhalten.

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