Zu viele Schwankungen an den Börsen?


Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Das ewige Auf und Ab an den Börsen beunruhigt Anleger und stimmt sie pessimistisch – und das, obwohl der DAX immer noch ein zweistelliges Jahresplus aufweist. Anleger leiden unter der Volatilität, die sich mit den aktuellen Nachrichten kaum erklären lässt.

Das Ganze ist wohl ei­­ne Folge der Wahrnehmung. Denn auf einen deutlichen Kursanstieg von mehr als 20 Prozent zu Beginn des Jahres folgte ein beinahe genauso starker Rückgang. Dieser wiegt mental allerdings viel stärker. Da hilft auch die erneute teilweise Erholung des Index nicht.

Die Finanzmärkte hängen derzeit an den Lippen der Notenbanker, vor allem an denen von „Super-Mario“, Mario Draghi, und „Helicopter-Ben“, Ben Bernanke. „Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten“, schwor Draghi, und schon setzten die Börsen zu einem Höhenflug an. Als Draghi allerdings wenige Tage später, nach der Zentralbankratssitzung, keine Taten folgen ließ, stürzten die Märkte wieder ab – nur um einen Tag später wegen besserer Arbeitslosenzahlen in den USA wieder zu steigen.

Angst – Angst vor Geldentwertung, vor Währungsverfall, vor dem Auseinanderbrechen Europas, vor der Einschränkung von Verfügungsrechten und vor höherer Besteuerung oder gar Enteignung – prägt in diesen unruhigen Zeiten das Anlegerverhalten der Masse. Erfolgreiche Anleger sind jedoch jene, die ihre langfristige Anlagestrategie konsequent umsetzen. Um einen der erfolgreichsten Anleger unserer Zeit, Warren Buffett, zu zitieren: „Ich versuche lediglich, ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind und gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind.“

Die meisten Anleger nehmen an, dass die Zukunft der Gegenwart entspricht. Insofern befürchten sie, dass die Börsen weiter von Rückschlägen geprägt sein werden und dass festverzinsliche Wertpapiere, die seit 30 Jahren wegen permanent sinkender Zinsen ein sicheres Investment waren, weiter ein erfolgreiches Investment bleiben. Sie können sich trotz einer Verzinsung zwischen 0 und 1 Prozent von deutschen und schweizerischen festverzinslichen Wertpapieren nicht vorstellen, dass in absehbarer Zeit die Zinsen steigen und festverzinsliche Werte zu den großen Verlierern gehören können. Oder dass die Zinsen zwar niedrig bleiben, aber die Inflation rasant ansteigt. Denn ein Staat kann durch verschiedene Maßnahmen sicherstellen, dass Staatsanleihen trotz eines niedrigen Zinsniveaus gefragt bleiben. Er kann von Kapitalverkehrskontrollen über neue Transaktionssteuern für Aktien bis zum Verbot des Goldhandels ein ganzes Bündel an Maßnahmen einführen. Alle Eingriffe werden darauf abzielen, alternative Anlageklassen gegenüber Staatsanleihen unattraktiver zu machen oder zu verbieten. Ein weiterer Ansatzpunkt für eine höhere Nachfrage nach staatlichen Schulden ist auch, Kapitalsammelstellen wie Versicherungen, Pensionskassen und Banken zu verpflichten oder zu drängen, heimische Staatsanleihen zu kaufen und zu halten. Diese Methode wurde in vielen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich eingesetzt, um Schulden abzubauen. Anleger sollten diese als finanzielle Repression bezeichneten Maßnahmen des Staates schon heute mit ihren Auswirkungen auf ihre Anlagepolitik sowie ihre Ertrags- und Risikoziele beurteilen.

Die weitere Entwicklung unseres Wohlstandes hängt vor allem davon ab, mit welcher Entschlossenheit die Staaten jene Reformen und Sparmaßnahmen beschließen und durchsetzen, die unabdingbar sind. Es liegt auf der Hand, dass alle Länder – nicht nur die Krisenländer – das Tal der Tränen nicht schon übermorgen hinter sich lassen werden. Wir brauchen Zeit, um Strukturen und Mentalitäten zu ändern. Aber ohne diesen Änderungswillen werden wir zwangsläufig unseren Wohlstand nicht halten können.

Alle aufgeführten Punkte machen deutlich, dass wir auch in Zukunft mit großen Schwankungen der Kurse leben müssen und wie unmöglich es ist, das richtige Zukunftsszenario für Anlageentscheidungen heute festzulegen. Wenn Sie sich bei Ihrer Geldanlage für ein bestimmtes Zukunftsbild entscheiden und Ihre Annahme falsch ist, dann werden Ihre Verluste deutlich ausfallen. Man kann Ihnen als Anleger daher nur einen sinnvollen Rat geben: Sie müssen Ihr Vermögen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten möglichst breit streuen, um sich auf eine Vielzahl von möglichen Szenarien in der Zukunft einzustellen.

Mehr Informationen?

Haben Sie Interesse? – Dann wenden Sie sich unter der    Telefon-Nr.: 922 575496 an Herrn Robert Burlon oder unter 0041 79 4207493 an Herrn Ottmar Beck.




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