Wüsten-AVE absolviert seine erste Fahrt


Zwei Züge im Bahnhof Medina. Foto: EFE

Spanischer Hochgeschwindigkeitszug verbindet erfolgreich die saudi-arabischen Städte Mekka und Medina

Riad – Mit über einjähriger Verspätung wurde am 31. Dezember die erste, den Würdenträgern vorbehaltene Fahrt des sogenannten Wüsten-AVE von Medina nach Mekka durchgeführt. Angesichts des Ausmaßes des ausländischen Auftrages stand das spanische Konsortium unter großem Druck und die Marke España auf dem Spiel. Die erste offizielle Fahrt mit dem AVE durch die arabische Wüste verlief ohne Zwischenfälle und erfolgreich.

Das auf über 6,7 Milliarden Euro veranschlagte Megaprojekt umfasste die Planung sowie den Bau der über 450 km Hochgeschwindigkeitslinie zwischen den beiden heiligen Städten des Islam, die Installation der elektrischen Systeme und der Signalanlagen, den Betrieb und die Wartung der Linie während der ersten zwölf Jahre. Den Auftrag konnte vor einigen Jahren das Konsortium Al Shoula, bestehend aus den Unternehmen Renfe, Adif, Ineco, OHL, Indra, Talgo, Copasa, Consultrans, Imathia, Cobra, Abengoa und Dimetronic-Siemens, für sich gewinnen.

Der Bau der Linie verzögerte sich wegen der schwierigen geografischen und geologischen Verhältnisse sowie finanzieller Probleme der arabischen Partner. Nun konnte endlich die erste Fahrt durchgeführt werden. Bei vollständiger Funktionsfähigkeit sollen bis zu 35 Züge des Talgo-Modells 350 Haramain eingesetzt werden, an dem über 30 Modernisierungen und Veränderungen vorgenommen wurden, um den Zug an die hohen Temperaturen und den Wüstensand anzupassen. Der Wüsten-AVE soll in Zukunft Millionen Pilger bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 300 km/h (der Zug kann eine Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h erreichen) innerhalb von zweieinhalb Stunden von einer heiligen Stadt zur anderen befördern. Theoretisch könnte bis zu alle vier Minuten ein Zug abfahren.

Doch zunächst wurde nun am 31. Dezember die offizielle Probe- und Einweihungsfahrt durchgeführt. Der saudische Transportminister Nabil al Amudi, der spanische Botschafter Álvaro Iranzo, Mohammed Al-Rumaih, Präsident der arabischen Bahngesellschaft SRO, Jorge Segrelles, Präsident des Konsortiums Al Shoula, saudische Persönlichkeiten, Vertreter der beteiligten Unternehmen und andere ausgewählte Gäste nahmen in den hochmodernen Waggons Platz. Auf der Fahrt erreichte der Zug streckenweise eine Geschwindigkeit von 300 km/h und kam nach 2 Stunden und 52 Minuten in Mekka an. Die arabischen Politiker zeigten sich während der Fahrt höchst interessiert an der Technik und begeistert von dem Hochgeschwindigkeitszug.

Der saudische Transportminister Nabil al Amudi (l.) und der spanische Botschafter Álvaro Iranzo (mit Handy) bei der Einweihungsfahrt. Foto: EFE

Im März oder April sollte der Pilger-AVE der offiziellen Planung zufolge den Dienst aufnehmen, doch wird das wohl nicht möglich sein, denn nicht alle fünf Hauptbahnhöfe – Mekka, Medina, Kaec, Jeddah und Kaia – sind fertiggestellt. Der Bau des Bahnhofes von Jeddah ist aufgrund der Pleite des beauftragten Bauunternehmens noch nicht einmal begonnen worden.

Das Konsortium und die Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik haben jedoch aufgeatmet. Präsident Mariano Rajoy gratulierte nach der ersten offiziellen Fahrt den Unternehmen per Twitter: „Großer Erfolg der spanischen Hochgeschwindigkeit. Danke dem spanischen Konsortium für die gute Arbeit.“




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