Wo sind die Hilfsgelder?


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Die vom Erdbeben teilweise zerstörte Stadt Lorca ist auch drei Jahre nach dem Beben noch nicht wieder aufgebaut

Am 11. Mai jährte sich zum dritten Mal das schwere Erdbeben von Lorca in der Provinz Murcia im Südwesten Spaniens. Neun Menschen kamen damals in ihren Häusern ums Leben, fast dreihundert wurden verletzt. Nur einem vorhergegangenen leichteren Erdstoß, der die Einwohner dazu brachte, ihre Häuser zu verlassen, ist es zu verdanken, dass nicht mehr Opfer zu beklagen waren.

Lorca – Tausende konnten wegen Einsturzgefahr nicht in ihre Wohnungen zurückkehren, kamen zunächst in Notlagern und später in Blechbaracken unter. Viele wohnen auch heute noch dort, oder sahen sich durch die Not gezwungen, doch wieder in ihre halbzerstörten, unsicheren Häuser zurückzukehren.

Von den schönen Versprechungen, die die Politiker seinerzeit, ein halbes Jahr vor den Wahlen, gemacht haben, hat sich nicht viel erfüllt. Der Wiederaufbau bleibt im zähen Sumpf der Bürokratie stecken. Finanzielle Hilfen kommen nicht bei den Betroffenen an. Auch wenn der Lärm von 900 Baustellen tagsüber die Stadt erschüttert, ist bisher kaum Wohnraum bezugsfertig wiederhergestellt worden. Von den obdachlos gewordenen Einwohnern konnten bisher nur vier Prozent in neu errichtete Häuser und Wohnungen einziehen. In den betroffenen Stadtvierteln sind weiterhin die abgestützten Fassaden unbewohnbarer Gebäude zu sehen. Viele Menschen sind weggezogen. Unzählige Geschäfte wurden und bleiben geschlossen.

Investitionen von 1,65 Milliarden Euro wurden angekündigt, doch bisher ist erst die Hälfte davon umgesetzt worden. 460 Millionen davon sind Versicherungsgelder, die ja nur denen zugute kommen, die eine Versicherung abgeschlossen hatten.

Bei der Kirche dagegen kommen die öffentlichen Gelder sehr wohl an: das Entwicklungsministerium hat 880.000 Euro in die Pfarrkirche San Mateo gesteckt, die auch schon fertiggestellt ist, und 120.000 Euro in die Kirche San Antonio. Das Kultusministerium ließ für 1,6 Millionen Euro zwei Gotteshäuser und ein Kloster modernisieren. Und auch die Valencianische Regionalregierung investierte über eine Stiftung 360.000 Euro in die Wiederherstellung der Kirche San Cristóbal.

Das Gebäude der Guardia Civil ist vom Innenministerium ebenfalls perfekt instandgesetzt worden.

Dagegen lässt der Wiederaufbau zweier Schulen, des Gesundheitszentrums, das für die Versorgung der fast 94.000 Einwohner von Lorca zuständig war, des Sportplatzes und des Konservatoriums weiter auf sich warten.

Das ganze Ausmaß des Elends wird deutlich, wenn man die 300 Quadratmeter große Lagerhalle der Caritas besucht, wo freiwillige Helfer Monat für Monat 700 Einkaufswagen mit Lebensmitteln der EU verteilen. Ein Drittel der Empfänger haben ihr Heim durch das Beben verloren und leben bis heute im Elend. Sie fragen sich, was aus den 185 Millionen Euro geworden ist, die die Europäische Investitionsbank der Region Murcia für den Wiederaufbau der Stadt Lorca zur Verfügung gestellt hat.




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