Wasserraub in Doñana wird gestoppt


Foto: EFE

Nach jahrelanger illegaler Wasserentnahme schließt die Regierung 77 Brunnen

Madrid – Der nördliche Teil des Grundwasserreservoirs, aus dem sich die Feuchtgebiete des Nationalparks Doñana speisen, wird durch den Wasserverband Guadalquivir (CHG) für übernutzt erklärt. Nach jahrelanger, teils illegaler Entnahme großer Wassermengen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen ergreift die Regierung somit endlich Maßnahmen, um dem Raubbau in der Umgebung des Naturschutzgebietes Einhalt zu gebieten.

Der Wasserverband erhält damit das Recht, Entnahmebeschränkungen aufzuerlegen und Maßnahmen zum Schutz der Wasserqualität anzuordnen. So kann die Behörde eine größere Kontrolle über die Wassermengen, die für die Bewässerung der Erdbeerplantagen in der Umgebung von Doñana benötigt werden, ausüben.

Schon seit 2013 versucht die Regierung, die illegalen Brunnen zu schließen. Doch mangelnder Nachdruck, wenn nicht gar eine gewisse Komplizenschaft seitens der Behörden vor Ort, sorgte dafür, dass dieses Anliegen über ein Jahrzehnt lang verschleppt wurde. Dies ging so weit, dass die EU, nach mehreren Verwarnungen, Klage wegen des mangelnden Schutzes dieses Naturgebietes vor dem Europäischen Gerichtshof erhob.

Doñana hat ein in Europa einzigartiges Ökosystem, in welchem die europäischen Zugvögel auf ihrem Weg nach Afrika ausruhen und in dem mehrere vom Aussterben bedrohte Tierarten leben. Doch die Grundwasservorkommen speisen auch die leistungsstarke und bewässerungsintensive Landwirtschaftsindustrie, welche rund um Doñana Erdbeeren und andere rote Früchte anbaut.

Der Nationalpark Doñana ist das größte Feuchtgebiet Spaniens. Foto: EFE

Der CHG hat legale Konzessionen zur Wasserentnahme vergeben, für die die Landwirte Gebühren zahlen. Doch es gibt zahlreiche illegale Brunnen, Schätzungen des WWF zufolge sind es um Tausend, die unkontrolliert und kostenlos die Bewässerungsanlagen der Plantagen speisen.

77 dieser Brunnen im Gemeindegebiet Lucena del Puerto werden in den kommenden zwei Monaten stillgelegt, falls die Gemeindeverwaltung nicht nochmals Widerspruch dagegen einlegt. Jahrelang mauerten die lokalen Behörden und die Landwirte, doch nachdem nun mehrere Gerichtsentscheidungen vorliegen, schreitet der CHG zur Tat. Im vergangenen September kam es deswegen in Lucena del Puerto zu einem Zwischenfall. Ein Beauftragter des Wasserverbandes wurde während einer Inspektion von mehreren Dutzend Landwirten bedrängt und ist seitdem krankgeschrieben. Der Vorfall beschäftigt nun die Gerichte.




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