Während die Wälder brennen, bleibt der Umweltminister unsichtbar


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Seit dem 2. August wurde Arias Cañete nicht mehr gesehen

Spanien erlebt zurzeit den schlimmsten Sommer der letzten zehn Jahre, was die Brandkatastrophen betrifft. Mehrere schwere Waldbrände wüteten auf den Kanaren, in Andalusien, Castilla La Mancha, Galicien und in Alicante.

Madrid – Doch der Umweltminister Miguel Arias Cañete scheint seit dem 2. August verschollen. Er wurde nur ein einziges Mal gesehen und zwar am zweiten Augustwochenende, als er König Juan Carlos zu einer Stierkampfveranstaltung begleitete. Die fand im Rahmen der Feierlichkeiten des zweihundertsten Jahrestages der Konstitution von 1812 statt. Zur selben Zeit und teilweise ganz in der Nähe zerstörten die Flammen drei Nationalparks – Cabañeros, Doñana und Garajonay auf La Gomera. Die Entschuldigung des Ministers im Radiosender SER war mehr als lapidar: Er sei den Anweisungen des Präsidenten gefolgt. „Als diensthabender Minister wurde mir aufgetragen, Seine Majestät den König zu begleiten. Das ist eine der Funktionen, welche die Minister zu erfüllen haben, den König bei öffentlichen Anlässen zu begleiten. Wenn der König reist, wird er stets von einem Minister der Regierung begleitet.“

Der Minister für Umwelt und Landwirtschaft unterstrich wiederholt, dass es nicht seine Entscheidung sei, ob er an einem solchen öffentlichen Akt teilnimmt oder nicht. Er erhalte den Auftrag, den König zu begleiten und habe diesen zu befolgen.

Obwohl mehrere Tausend Menschen evakuiert werden mussten, allein auf La Gomera ein Viertel der Bevölkerung, Tausende von Hektar Wald verbrannten und zwei Männer aus den Löschbrigaden ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt haben, war der Umweltminister nicht bereit, zu erklären, welche Maßnahmen er angesichts der katastrophalen Situation zu ergreifen gedenke.

Ein Sprecher der sozialistischen Opposition kommentierte, dass der Umweltminister einen Stierkampf besucht, während Spanien brennt. Er kritisierte scharf die „Unsichtbarkeit“ der Regierung während der schweren Brände der letzten Tage. Lobende Worte fand er dagegen für die aufopfernde Arbeit der Einsatzkräfte, die bei der Brandbekämpfung ihr Leben riskierten, während die Regierung durch Abwesenheit glänze, anstatt zu koordinieren.

Dieses Verhalten der zuständigen Regierungsstellen erinnert an ein fatales Versagen der damaligen Regierung von Präsident Aznar. Als vor der Küste Galiciens ein griechischer Öltanker havarierte, später auseinanderbrach und damit die schlimmste Umweltkatastrophe seit Menschengedenken verursachte, waren der zuständige Minister und der Präsident der Regionalregierung auf der Jagd, und es wurden unglaubliche Fehlentscheidungen getroffen.




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