Unerwarteter Schachzug in Sachen Gibraltar


© EFE

Peter Caruana verlangt für das britische Überseegebiet denselben Status wie Andorra

In der streitigen Angelegenheit Gibraltar, in der seit drei Jahrhunderten keiner der beiden Streitpartner bereit war, seine Forderungen zugunsten einer Schlichtung der Streitfrage zu überdenken, hat sich eine unerwartete Wendung ereignet.

Madrid – Oder vielleicht sollte besser gesagt werden, Peter Caruana, Chefminister des britischen Überseegebiets an der Südspitze der Iberischen Halbinsel, hat mit einem unerwarteten Schachzug überrascht. Er schlug Ende November nämlich für Gibraltar einen ähnlichen Status vor, wie der, der für Andorra gilt. Das Fürstentum Andorra ist ein unabhängiger Zwergstaat in den östlichen Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. Es ist das einzige Land der Welt, in dem zwei ausländische Amtsträger die Funktion des Staatsoberhauptes wahrnehmen – der spanische Bischof von Urgell und der Präsident von Frankreich. Es wird also in Doppelherrschaft regiert.

Zwar missfalle ihm der derzeitige Status Gibraltars nicht, hatte Caruana im Hinblick auf seinen überraschenden Vorschlag erklärt, er wisse jedoch, dass dieser nicht endgültig sei und deswegen nach anderen Optionen gesucht werden müsse, die dem Volk von Gibraltar akzeptabel erscheinen.

Kompromiss per Volksentscheid

Der Peñón, also Felsen, wie Gibraltar in Spanien genannt wird, wolle nicht „unabhängig werden, weil Großbritannien das nicht zulässt und weil eine globalisierte Welt für so kleine Länder gefährlich ist“. Gibraltar wolle aber auch nicht zu Spanien gehören, „weil es das seit 300 Jahren nicht getan hat“. Eine Lösung wäre also seiner Meinung nach eine Art Doppelherrschaft, wie es im Fürstentum Andorra gehalten wird. Er sei sich zwar bewusst, dass Spanien dieser Lösung nicht sehr zugeneigt sei, wenn sich seine Idee jedoch als durchführbar herausstelle, wäre er persönlich bereit, es den Bewohnern Gibraltars vorzuschlagen, „die das Recht haben, über ihre Zukunft zu bestimmen“.

Dass dieser Vorschlag ausgerechnet von Peter Caruana kommt, ist nicht zuletzt deswegen überraschend, weil er sich im Jahr 2002 energisch gegen die von Spanien und Großbritannien angestrebte geteilte Souveränität stellte und einen Volksentscheid veranstaltete, bei dem sich die Gibraltareños mit überwältigender Mehrheit dagegen aussprachen.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.