Temposünder lassen die Kassen klingeln


Die DGT kassiert täglich 470.000 Euro für Geschwindigkeitsüberschreitungen

Ein halbes Dutzend Pegasus-Helikopter und Hunderte Radargeräte – mobile und fest installierte – und natürlich eine bedeutende Anzahl an Rasern haben dafür gesorgt, dass die Verkehrsbehörde DGT in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 127,4 Millionen Euro eingenommen hat.

Dieser Betrag entspricht den kompletten Einnahmen des vergangenen Jahres (129,6 Millionen Euro) und übertrifft bereits die Einnahmen der Jahre 2013 (124 Millionen Euro) und 2012 (120 Millionen Euro). Während die Verkehrsbehörde 2014 noch täglich 355.075 Euro von den Rasern kassierte, sind es in diesem Jahr mit 470.396 Euro täglich 32% mehr. Das sind die offiziellen Zahlen, die dieser Tage von der Regierung im Parlament bekannt gegeben wurden. 

Im Mai hatte DGT-Direktorin María Segui den erheblichen Zuwachs der Einnahmen mit dem Anstieg des Verkehrsaufkommens auf Spaniens Straßen begründet. Auch ließ man seitens der DGT verlauten, dass die geschwindigkeitsbedingt verhängten Bußgelder zu-, die wegen Trunkenheit am Steuer verhängten dagegen abgenommen hätten. 

Weiterhin prüft die Verkehrsbehörde auch, ob die im Februar getroffene Entscheidung, alle mobilen Blitzer auf die Schnell- und Landstraßen zu konzentrieren, hierbei eine Rolle spielt. Die DGT hatte diese Maßnahme ergriffen, nachdem im Januar die Zahl der Verkehrstoten um 40% angestiegen war und bekannt wurde, dass 80% der Verkehrsopfer auf Schnell- und Landstraßen ums Leben kommen. 

Nun ist die Debatte zwischen Opferverbänden und Fahrervereinigungen über die Notwendigkeit und den Sinn von Radarkontrollen erneut entbrannt. Aus einer Studie der Versicherungsgesellschaft „Línea Directa“ geht hervor, dass über 90% der Fahrzeugführer überzeugt sind, dass die Geschwindigkeitskontrollen insbesondere dazu bestimmt seien, das Staatssäckel aufzufüllen. Wobei der Staat in Krisenzeiten noch stärker auf diese Einnahmequelle zurückgreife. Die DGT weist diese Vorwürfe weit von sich und erklärte, dass Einnahmen aus Bußgeldern wegen Verstößen gegen das Straßenverkehrsgesetz zwischen 2011 und 2014 von 458 Millionen Euro um 66 Millionen Euro auf 392 Millionen Euro gesunken seien. 

Pere Navarro, ehemaliger Direktor der Verkehrsbehörde, gibt seiner Nachfolgerin Rückendeckung und erklärt im Prolog seines jüngst veröffentlichten Buches, bei dem Straßenverkehrsgesetz handele es sich um das Regelwerk, gegen das am häufigsten in Spanien verstoßen werde. Doch dürfte das Amt nicht nur bestrafen. Von noch größerer Bedeutung sei die Durchführung von Informations- und Sensibilisierungskampagnen bei den Fahrzeugführern. “Wenn wir nur überwachen, kontrollieren und bestrafen, werden uns die Bürger ablehnen, weil wir ihnen nicht das Warum und das Wofür der Strafe erklärt haben.”




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