Stromversorger scheinen von der Unsicherheit der Kunden profitieren zu wollen


Werbeanzeigen und Anschreiben könnten gesetzeswidrig sein

Nachdem die Neuerungen auf dem Strommarkt in Kraft getreten sind, versuchen einige Anbieter, die Unsicherheit der Kunden auszunutzen. So tauchten in den vergangenen Wochen diverse Anzeigen mit teilweise irreführender Aussage in den Medien auf. Die Kunden wurden in Anschreiben vor vollendete Tatsachen gestellt. Nun ermittelt das Kartellamt.

Madrid – Am 1. April wurde der Stromstandardtarif TUR durch den Strompreis PVPC Precio Voluntario para el Pequeño Consumidor, (Freiwilliger Preis für den Kleinverbraucher) ersetzt. Dessen Komponente für die eigentliche Stromleistung wird nicht mehr per Versteigerung sondern auf dem „freien Markt“ festgelegt. Im Rahmen des PVPC kann der Verbraucher wählen zwischen Marktpreis pro Stunde (bei Installation eines „intelligenten“ Zählers) und durchschnittlicher Marktpreis innerhalb des Abrechnungszeitraumes. Daneben besteht die Möglichkeit, sich für einen festen Jahrestarif oder einen Strompreis des Versorgers zu entscheiden.

Die Änderungen haben zu Unsicherheit bei den Verbrauchern geführt, denn viele fürchten, aufgrund des ständig wechselnden Marktpreises die Rechnung nicht mehr kontrollieren zu können. Auf der anderen Seite fällt der Jahrestarif eher teuer aus. Nun haben diverse Versorger die schwierige Lage der Verbraucher auf fast unverschämte Weise ausgenutzt, und irreführende Anzeigen geschaltet oder Briefe verschickt, um die Kunden für einen Wechsel zu den eigenen, für sie selbst günstigeren Tarifen zu bewegen. So heißt es in einer Werbung von ENDESA ganz offen, mit dem PVPC könne der Verbraucher nicht im Vorhinein überblicken, was er tatsächlich für den Verbrauch zu zahlen habe. Gas Natural Fenosa wiederum hat per Anschreiben die Kunden darüber informiert, diese am 1. Juli automatisch an den eigenen Tarif zu koppeln, wenn sie nicht vorher ausdrücklich eine Anbindung an den PVPC verlangen würden. All diese Aktionen haben die Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen. Das Kartellamt unterstellt den Versorgern, anhand irreführender Aussagen die Kunden zu vorschnellen, wenig durchdachten Entscheidungen bewegen zu wollen. Die Wettbewerbshüter haben offizielle Ermittlungen eingeleitet um abzuklären, ob die Versorger mit ihren Aktionen gegen das Gesetz verstoßen haben.




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