Staat will die Wohnungen ausländischer Fonds renovieren


In Madrid ist der durchschnittliche Wohnungsmietpreis in den letzten fünf Jahren um 38% gestiegen. Foto: EFE

In den Großstädten sind die Mieten in die Höhe geschossen. Leerwohnungen sind Mangelware. Minister Ábalos hat Abhilfe versprochen.

Madrid – Das Ministerium für Inlandsentwicklung prüft derzeit mehrere Möglichkeiten, wie das Versprechen von Minister José Luis Ábalos, für 20.000 erschwingliche Mietwohnungen in Großstädten wie Madrid und Barcelona zu sorgen, umgesetzt werden kann. Unter anderem untersuchen die Experten des Ministeriums die Möglichkeit, mit öffentlichen Mitteln die Renovierung von Wohnungen zu finanzieren, die Eigentum von Banken, Investitionsfonds und Real-Estate-Investment-Trusts (REIT) sind. Als Gegenleistung würden diese verpflichtet, die Wohnungen unter dem marktüblichen Preis zu vermieten. Diese Option scheint immer wahrscheinlicher zu werden, weil es in den Großstädten an Boden für Neubauten fehlt, und andererseits die der staatlichen Bad Bank Sareb gehörenden Immobilien größtenteils außerhalb der großen Städte liegen.

In Großstädten, wie Madrid und Barcelona, herrscht akuter Wohnungsmangel, der die Mietpreise in astronomische Höhen getrieben hat. Innerhalb von fünf Jahren ist der durchschnittliche Preis in Madrid um 38%, in Barcelona um 47,5% angestiegen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Nach der Krise ist die Nachfrage wieder stark gestiegen, doch das Angebot ist begrenzt. Darüber hinaus „verdirbt“ die Ferienvermietung die Preise und reduziert zudem das Angebot. Neu gebaut wird kaum.

Der Mangel an Grundstücken in den Großstädten schließt den öffentlichen Wohnungsbau praktisch aus. Auch die im Eigentum der Sareb stehenden Wohnungen kommen als Lösung des Wohnungsproblems, wie bereits erwähnt, nicht infrage. Befinden diese sich doch größtenteils außerhalb der Städte.

Und so setzen die Experten des Ministeriums immer stärker auf die eingangs genannte Option: Die öffentliche Finanzierung der Renovierung von Wohnungen, die größtenteils im Eigentum von „Geierfonds“ und REITs stehen, also derjenigen, die während der schlimmsten Krisenzeiten die schwierige Wirtschaftslage genutzt und Zigtausende Immobilien von Banken billig aufgekauft haben.

Die öffentliche Finanzierung der Renovierung des billig aufgekauften Wohnraumes würde an die Auflage geknüpft, dass während eines festen Zeitraumes der Mietpreis unter dem des freien Marktes festgesetzt werden müsste.

Bei den Mietern wiederum sollte es sich um Familien mit geringem Einkommen handeln.

Die Wohnungen sollen jedoch nicht als Sozialwohnungen deklariert werden, weil dabei die Bedingungen für die potenziellen Mieter höher wären und die Einkommen sehr gering sein müssten.

José García Montalvo, Professor für Wirtschaft an der Universität Pompeu Fabra, hält mit seiner Meinung dagegen: „Diese Wohnungen wurden von den großen Investmentfonds mit hohen Rabatten eingekauft, weil der Staat die Banken unterstützte. Und jetzt wird ihnen obendrein die Renovierung bezahlt. Das wird am Ende teurer sein, als die Wohnungen gleich gekauft zu haben, als sie noch günstig waren.“

Fernando Encinar, Chef-Analyst beim Immobilienportal Idealista, stimmte mit Montalvo überein. Es sei besser, die privaten Wohnungseigentümer bei der Renovierung leer stehender Wohnungen zu unterstützen, um diese später zu vermieten. Bei der vom Ministerium angedachten Lösung würden die Fonds, die die Kosten für die Renovierung ihrer Immobilien längst eingeplant hätten, vom Staat finanziell unterstützt. Sie würden einen Teil der Renovierungskosten praktisch einsparen, um in einigen Jahren die renovierten Wohnungen zum Marktpreis zu verkaufen.

Zu den Fonds, die die Krise in Spanien nutzten und insbesondere den Banken zu Dumpingpreisen Zigtausende Immobilien abkauften, gehören unter anderem Blackstone (USA), Cerberus, Lone Star, HIG Capital oder Apollo.




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