Schlag gegen Altpapier-Mafia

Auf achtzehn Routen, die sich rumänische Familien in Madrid untereinander aufgeteilt hatten, steuerten die Altpapier-Diebe regelmäßig die blauen Container an und fischten das eingeworfene Material wieder heraus. Foto: EFE

Die Plünderung der Recyclingcontainer verursachte der Stadtverwaltung von Madrid Verluste in Höhe von mindestens 16 Millionen Euro

Madrid – Die organisierte Kriminalität macht auch vor dem Müll nicht halt. In Madrid haben jahrelang Altpapier-Mafias ihr Unwesen getrieben, die sich die spanische Hauptstadt in Reviere aufteilten und systematisch, manchmal sogar zweimal am Tag, die Altpapiercontainer der Stadt ausräumten.
Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass dieser Raub von Pappe und Papier seit 2015 Verluste von 16 Millionen Euro verursacht hat, denn das Altpapier, welches die Bürger sorgfältig in den dafür vorgesehenen Containern deponieren, wird als Rohstoff an die Industrie verkauft.

42 Festnahmen bei der „Operation Hartie”

Um den Dieben das Handwerk zu legen, hat die Guardia Civil unter dem Namen „Operación Hartie“ (rumänisch für Papier) einen Schlag gegen die Altpapier-Mafias geführt. Dabei wurden 42 Personen verhaftet, denen Umweltdelikte, die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Diebstahl und Geldwäsche vorgeworfen werden. Im Zuge der Operation hat die Polizei festgestellt, dass Tausende Tonnen Wertstoffe illegal nach Südostasien, vornehmlich China und Indien, verbracht wurden, was ebenfalls eine strafbare Handlung darstellt.
Es war die städtische Polizei von Madrid, die, nachdem man jahrelang Bußgelder gegen die Altpapierdiebe verhängt hatte, ohne das Übel dadurch eindämmen zu können, bei der Umwelteinheit der Guardia Civil, Seprona, um Unterstützung anfragte. Die Operation begann Anfang des Jahres 2019 und gipfelte Ende Juni mit der Festnahme der oben genannten Personen, größtenteils Rumänen sowie drei Spanier, welche die Recyclinganlage betrieben, in die das aus den blauen Containern gestohlene Material gebracht wurde.

278 Container Altpapier nach Asien verschifft

Anhand der sichergestellten Beweismittel konnten die Ermittler der Guardia Civil die Organisation der Altpapier-Mafias, die Wege des Diebesguts und den illegalen Export aufdecken und den kriminellen Machenschaften ein Ende setzen. Es kam heraus, dass allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 rund 9.300 Tonnen Karton und Papier entwendet worden waren.
Seit 2016 sind, den beschlagnahmten Geschäftsunterlagen der Recyclinganlage zufolge, 278 Container nach China, Indien, Indonesien und Südkorea verschifft worden, in denen man legal erworbenes und gestohlenes Material vermischt hatte. Die Guardia Civil hat berechnet, dass 67.300 Tonnen Altpapier im Wert von zehn Millionen Euro irregulär exportiert wurden.
Durch die „Operation Hartie“ wurden elf Lastwagen, mit denen die achtzehn Sammelrouten der Altpapier-Mafias befahren wurden, aus dem Verkehr gezogen, und seit dem Sommer sind keine weiteren Aktivitäten dieser Art festgestellt worden. Die Sammelrouten wurden durch rumänische Familien betrieben, welche die Stadt unter sich aufgeteilt hatten. Hielt sich jemand nicht an die ausgemachten Grenzen, kam es zu Auseinandersetzungen. Beispielsweise wurde ein Lastwagen abgebrannt, weil die Besitzer außerhalb ihres Reviers gesammelt hatten.

Operation ohne Beispiel

Bei dem Schlag gegen die Altpapier-Diebe von Madrid handelt es sich um die größte Polizeioperation dieser Art, die bisher in Spanien durchgeführt wurde. Zuvor ist noch nie gegen ein gesamtes Netzwerk des illegalen Altpapierhandels vorgegangen worden.
Obwohl schon seit 2014 immer wieder Anzeigen von Bürgern wegen des Altpapierklaus eingegangen waren und die städtische Polizei regelmäßig Bußgelder gegen die Containerräuber verhängte, gelang es erst Anfang 2019 ein koordiniertes polizeiliches Vorgehen gegen die verzweigte Organisation auf die Beine zu stellen.

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