Prestige – Fünf Jahre gerichtliche Ölschlacht


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2002 ging der Öltanker vor Galiciens Küste unter und löste eine der größten Umweltkatastrophen Spaniens aus

Fünf Jahre nach dem Untergang des unter der Flagge der Bahamas reisenden Wrack-Öltankers Prestige vor der galicischen Küste gibt es immer noch keine Schuldigen.

Madrid – Die Strände sind zwar wieder so gut wie „sauber“ und haben ihr empfindliches Ökosystem soweit als möglich wiederhergestellt und auch der galicische Fischereisektor hat sich schon lange nicht mehr beschwert. Für die meisten Einwohner Spaniens gehören die Bilder von den mit weißen Schutzanzügen ausgestatteten freiwilligen Helfern, die Stunden über Stunden, Tage über Tage gegen eine schier nicht enden wollende schwarze Ölpest ankämpften, um zu retten, was noch zu retten war, längst schon zur Geschichte, einem traurigen Kapitel zwar, aber dennoch abgeschlossenen Geschichte.

Ganz so ist es jedoch nicht. Jedenfalls nicht für den Kapitän des Öltankers, den Griechen Apostolos Mangouras, der, inzwischen in seine Heimat zurückgekehrt, immer noch darauf wartet, dass ihn die spanische Justiz auf die Anklagebank beordert.

Ähnliches gilt für José Luis López Sors, einem ehemaligen Spitzenführungsmitglied der damaligen konservativen Regierung. Die beiden sind die Hauptangeklagten in dem Prestige-Fall, der seit nun bereits fünf Jahren einem kleinen Gericht in A Coruña Kopfzerbrechen bereitet, das eine der größten Umweltkatastrophen Spaniens klären soll.

Für Justiz-Experten gibt es keinen Zweifel. Das System hat in diesem Fall nicht funktioniert. Das mit dem Fall beauftragte Gericht ist viel zu klein, um einen derartigen Prozess voranzutreiben. Der Fall hätte, nach Meinung vieler, vor den Nationalen Gerichtshof Spaniens gehört. Doch dafür ist es jetzt zu spät. Und wann das Gericht zu einem Urteil kommen könnte, das wagt derzeit auch niemand vorauszusagen.

In den vergangenen fünf Jahren wurde der Fall von inzwischen bereits acht Richtern bearbeitet, die in das kleine Gericht versetzt wurden und vor Vollendung der Ermittlungen bereits wieder zu neuen Ufern aufbrachen. Die jeweiligen Nachfolger mussten sich dann immer erst einmal einarbeiten, was zu erneuten Verzögerungen führte.

Komplizierte Zusammenhänge

Der Öltanker Prestige gehörte einem libyschen Unternehmen, reiste unter der Flagge der Bahamas, wurde von einem griechischen Kapitän gesteuert, verfügte über eine Besatzung, die sich aus Rumänen und Philippinen zusammensetzte, war in Japan gebaut worden und wurde im Moment seines Untergangs von einem griechischen Unternehmen geleitet. An Bord des hoffnungslos überalterten, unzureichend gewarteten Tankers befanden sich 77.000 Tonnen Schweröl, als er am 13. November 2002 havarierte. Sechs Tage später brach er endgültig auseinander und ging etwa 230 Kilometer vor der galicischen Küste unter.

Die damalige konservative Regierung wurde heftig kritisiert. Ihre Entscheidung, den havarierten Tanker möglichst weit von der spanischen Küste zu entfernen, habe die ganze Katastrophe noch schlimmer gemacht. Das ist auch einer der Punkte, den das Gericht in A Coruña aufklären soll und weswegen López Sors zu den Hauptangeklagten gehört.




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