Junge spanische Sozialistin mischt Parteigenossen auf


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Luxus-Autos und Konferenzen in Fünfsternehotels

Die Sozialistische Jugend brachte eine vernichtende Kritik an den Führern der Sozialistischen Internationalen „SI“ zum Ausdruck, deren internationale Konferenz kürzlich im luxuriösen portugiesischen Badeort Cascais stattfand.

Cascais – Ihre Treffen in Fünfsternehotels, die Luxusautos und ihre Verantwortung für die weltweiten Probleme, wurden ihnen unverblümt zum Vorwurf gemacht. Die Spanierin Beatriz Talegón, Generalsekretärin der Internationalen Union der Sozialistischen Jugend, versetzte die Delegierten der SI aus mehr als hundert Ländern mit ihrer Wutrede in Staunen, aber auch in Verlegenheit.

In ihrer improvisierten Ansprache vor den Führern der Organisation und deren Präsidenten, dem griechischen Ex-Premierminister Giorgos Papandreou, erklärte sie: „Wir verlangen von Euch, dass Ihr der Sozialistischen Internationalen endlich einen Sinn gebt. Lasst nicht zu, dass sich die jungen Menschen Euer schämen müssen.“

Die Führerin der spanischen Jungsozialisten forderte, dass die Konten der SI zukünftig kein Geheimnis wie die Pyramiden mehr seien. Sie setzte sich für die Schaffung einer Schule für die Politiker der Zukunft ein und geißelte Konferenzen wie diese, die in Fünfsternehotels stattfinden und zu denen die Delegierten in Luxuskarossen anreisen. „Aber Ihr wolltet uns ja nicht anhören. Wir sind nicht hier, um als „Staff“ zu arbeiten, wie die Jungsozialisten hier aus Portugal“, wetterte sie. „Die Führer der SI wollen die jungen Mitglieder nur zum Applaudieren und um die Reihen mit hübschen Gesichtern zu füllen.“

An anderer Stelle kritisierte sie, dass die sogenannten Führer dafür verantwortlich seien, was zurzeit passiert. „Wir tragen die Konsequenzen für Eure Aktionen und auch dafür, dass Ihr nicht aktiv geworden seid. Wir haben keinerlei Hilfe von der SI, Ihr kümmert Euch absolut nicht um uns.“ Sie kritisierte auch die Delegierten, die als Medienstars an der Konferenz teilnehmen. „Sie reden nur von ihrem eigenen Land und bieten keinerlei Lösungen für andere. In Uganda sitzen Jungsozialisten im Gefängnis. Ihr könntet ihnen zumindest gute Anwälte besorgen, um sie aus der Haft zu befreien.“

Trotz einiger empörter und ablehnender Gesichter wurde Talegón am Ende ihrer Rede mit rauschendem Beifall bedacht.

Der Präsident der Organisation antwortete ihr mit einer Verteidigung der Führer der SI. „Wir sind nicht der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank“, erklärte Papandre­ou. „Wir, die wir hier versammelt sind, kämpfen nicht von Nobelhotels aus, sondern auf den Straßen, in den Gewerkschaften, in unseren Ländern. Wir werden uns um Zusammenarbeit bemühen“, erklärte er in versöhnlichem Ton, und wir werden die Anstrengungen und den Kampf der Sozialistischen Jugend in jedem konkreten Vorschlag unterstützen.“

In den sozialen Netzwerken fand die Rede von Beatriz Talegón ein unglaubliches Echo und wurde bereits Tausende Male angeklickt. Die junge Frau wurde von dieser Reaktion völlig überrascht, und sie glaubt, dass sie ein Anliegen vieler Menschen angesprochen hat.




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