Jede zehnte Erbschaft wurde ausgeschlagen


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Infolge der Erhöhung der Erbschaftssteuer und der Krise

Im Laufe der Krise hat die Zahl der ausgeschlagenen Erbschaften zugenommen. Im vergangenen Jahr lehnten 9,5% der Erben den Nachlass ab. Dies liegt nicht nur an der je nach Region teilweise sehr hohen Erbschaftssteuer, sondern auch an dem krisenbedingten Geldmangel.

Die Erbschaftssteuer ist eine der Abgaben, die während der Wirtschaftskrise von den Autonomen Regionen am stärksten erhöht wurden. Diese Anhebung und die allgemeinen Folgen der Krise haben dazu geführt, dass seit Ende 2007 die Anzahl der ausgeschlagenen Erbschaften zugenommen hat. So wurden im vergangenen Jahr von den 359.294 der Notarkammer bekannten Erbschaften 34.320 oder 9,5%, abgewiesen – fast dreimal so viel wie acht Jahre zuvor. 

Fiskus zwingt Erben zum Notverkauf

In den Autonomen Regionen mit der stärksten Steuererhöhung – Asturien, Andalusien und Murcia wurden im vergangenen Jahr auch am meisten Nachlässe abgelehnt. In Asturien wurde fast jedes sechste Erbe (14,9%) ausgeschlagen. Steuerprüfer Francisco de la Torre erklärte, in den meisten Fällen würde die Erbschaft wegen fehlender Liquidität ausgeschlagen. Nach den Angaben von Salvador Rorres, Leiter der Andalusischen Notarkammer, müsse im Fall einer Erbschaft, die nur aus einer Immobilie und nicht aus Geld bestehe, der Erbe mit seinem Privatvermögen für die Erbschaftssteuer aufkommen. Häufig würde die Immobilie unter Wert verkauft, um die Steuer zu bedienen und zumindest einen gewissen Betrag einbehalten zu können. Wenn sich kein Käufer finde, werde die Erbschaft abgelehnt. 

Regionale Ungleichbehandlung

Darüber hinaus haben die Autonomen Regionen durch die Schaffung diverser Vergünstigungen und Ausnahmen nicht nur für Verwirrung gesorgt sondern auch dafür, dass Erben teilweise ihren Wohnsitz verlegen. In Madrid beispielsweise sind 99% der Erbschaft zwischen Eltern und Kindern steuerbefreit. Auf den Balearen ist eine solche ebenfalls begünstigt. Bei Vererbung an Nichten und Neffen fällt die Steuer dagegen sehr hoch aus.

Notar Salvador Torres erklärte, auch die Krise habe ihren Teil zur hohen Zahl der Ausschlagung von Erbschaften beigetragen, denn auch die Zahl der mit Schulden belasteten Erbschaften habe zugenommen. Viele Erben würden den Nachlass ausschlagen, um nicht für die Schulden aufkommen zu müssen. 

Steuer im Visier

Die Erbschafts- und Schenkungssteuer ist eine der umstrittensten Abgaben überhaupt. Der Großteil der Parteien, die bei den vergangenen Wahlen angetreten sind, haben ihre Absicht kundgetan, Änderungen vornehmen zu wollen. 

Die Regierung jedenfalls hat angekündigt, zusammen mit der Überarbeitung der regionalen Finanzierung auch die Erbschafts- und Schenkungssteuer zu überarbeiten. Geplant sind die Vereinheitlichung und die Festlegung von Mindestsätzen für alle Autonomen Regionen. 




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