Harte Kritik an Sparkassendirektoren


© EFE

Chef der spanischen Nationalbank rügt schlechte Führung und Verwaltung

Ende Juni sprach Miguel Fernández Ordóñez, Direktor der Bank von Spanien, im Abgeordnetenhaus und äußerte sich zu den Reformen.

Madrid – Die Reform der Sparkassen hat mehrfach Fusionen und Umwandlungen in Banken bewirkt und ihre Zahl von 45 auf 18 reduziert. Infolgedessen musste der Staat weniger eingreifen und die neuen Banken fanden Zugang zu privatem Kapital, beispielsweise durch einen Börsengang. Doch Miguel Fernández Ordóñez führte in seinen Erläuterungen im Abgeordnetenhaus eine weitere positive Konsequenz der Reform auf: den Abschied von schlechten Sparkassendirektoren. Laut Ordóñez würden Fusionen zur Auswahl der besten Führungskräfte zwingen; dies hielte er für gut, denn „einige müssen nach und nach verschwinden“. Der Chef der Nationalbank erklärte, er habe eine Studie durchführen lassen, die Aufschluss über die fehlende Effizienz der Sparkassen gegeben habe. Danach hätten die Sparkassen in den letzten zehn Jahren 17 Milliarden Euro Gewinn einfahren können, wenn sie genauso effizient gewesen wären, wie die Banken. Sprich, wenn die Sparkassen nicht dermaßen hohe Kosten gehabt hätten, beispielsweise an Direktions- und Personalkosten. Ordóñez machte die Direktoren für die „ernsten Probleme aufgrund fehlender Effizienz“ verantwortlich und betonte, bei den Fusionen müssten die schlechten Verwaltungsmodelle einiger Sparkassen verschwinden und durch professionellere und demokratischere ersetzt werden. Auch sollte der Einfluss der Gewerkschaften beschnitten werden.

Bei seinem Auftritt im Abgeordnetenhaus wurde der Direktor der Nationalbank, der Tage zuvor für die autonomen Regionen ein Ausgabenlimit mit Strafkatalog und mehr Transparenz gefordert hatte, jedoch auch mit Kritik bedacht. Unter anderem warf ihm Josep Sánchez-Llibre von der CiU [katalanisch-nationalistische Partei] vor, die autonomen Regionen und ihre Defizite zu „kriminalisieren“, dabei sei doch ein Großteil der Schulden vom Staat produziert worden. Ordóñez erwiderte, die staatlichen Reformen hätten sich auch positiv auf die autonomen Haushalte ausgewirkt und nannte als Beispiele die Senkung der Beamtengehälter oder die Anhebung der Mehrwertsteuer IVA im Mai 2010.

Ordóñez fügte hinzu, ohne diese Maßnahmen befände sich Spanien jetzt in derselben Situation wie Griechenland, Irland und Portugal. Die Wirtschaftsreformen der Regierung „haben verhindert, dass Spanien [die Europäische Union] um Rettung bitten musste“, sagte er wörtlich.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.