Großfamilien vom Aussterben bedroht


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Wegen schlechter Vereinbarkeit von Familien- und Arbeitsleben entscheiden sich immer mehr Paare gegen Kinder

Nicht nur in Deutschland zerbricht man sich derzeit den Kopf darüber, wie dem Kindermangel beizukommen ist. Auch in Spanien wird der Rückgang der Geburtenrate immer mehr zum Thema.

Madrid – Kein Wunder, denn Spanien hat mit knapp 1,3 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit. Und diese kommt auch nur wegen der Gebärfreudigkeit der Einwanderinnen aus Südamerika und Afrika zustande.

Während die Gründe für die Kinderlosigkeit der modernen Paare jedoch in Deutschland inzwischen zu einem der wichtigsten Politthemen geworden sind und mit zahlreichen Maßnahmen Pro Familia geworben wird, wartet die politische Elite in Madrid nur mit einigen wenigen schüchternen Vorstößen in Richtung Verbesserung der Familienpolitik auf.

Lange dürfte es allerdings auch hierzulande nicht mehr dauern, bis die Politiker darauf aufmerksam werden, dass das einst so kinderfreudige Spanien langsam aber sicher vergreist.

Jüngste Untersuchungen bezeugen jedenfalls, dass Großfamilien (drei oder mehr Kinder) in Spanien im letzten Jahrzehnt um 30% abgenommen haben. Als wichtigste Gründe hierfür werden finanzielle Probleme, Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Arbeit und Familienleben, aber auch die veränderte Rolle der Frauen gesehen, die sich nach einer langjährigen hochqualifizierten Ausbildung nicht mehr hinter den Herd verbannen lassen wollen bzw. wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten dazu gezwungen sind, Geld zu verdienen.

Während jedoch die spanischen Großfamilien-Verbände eine staatliche Hilfe pro Kind fordern, beschränkt sich eine der Aufsehen erregendsten Maßnahmen der hiesigen Regierung bislang noch auf die Einführung von zehn Tagen Vaterschaftsurlaub.

Von finanzieller Familienunterstützung ist man jedoch in Spanien noch meilenweit entfernt.




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