Gesundheitskosten der ausländischen Urlauber


Spanien hat Probleme, die Ausgaben für ausländische Patienten zurückzufordern

Ein gebrochenes Bein tut in Deutschland genauso weh wie in Spanien. Die Behandlung kostet jedoch nicht dasselbe. Ein Urlauber, der einen Unfall in Spanien erleidet oder krank wird, kann sich in jedem öffentlichen Krankenhaus kostenlos behandeln lassen. Für das spanische Gesundheitswesen ist das jedoch nicht umsonst.

Madrid – Seit Jahren bemüht sich das Gesundheitsministerium deswegen darum, eine Art Ausgleichssystem für diese Kosten zu schaffen. Dank einer neuen Gesetzgebung konnten 2006 so bereits über 23 Millionen Euro – fast drei Mal mehr als im Vorjahr – von anderen Ländern eingetrieben und an die autonomen Regionen verteilt werden. Das deckt aber, insbesondere in den Regionen mit großem Touristenaufkommen, bei weitem nicht die Kosten, die für die Behandlung ausländischer Urlauber aufgebracht werden müssen. Das macht sich besonders in den Sommermonaten bemerkbar, wo in einigen Krankenhäusern in den wichtigsten spanischen Touristikgebieten sogar die Belegschaft erhöht werden muss, um dem zusätzlichen Arbeitsaufkommen durch ausländische Patienten gerecht zu werden.

Paradebeispiel hierfür ist die Küste der Comunidad Valenciana. Das Gesundheitsressort dieser autonomen Region geht davon aus, dass zwischen Juli und September 15.000 Ausländer behandelt werden. Dafür sind Direktkosten von über sechs Millionen Euro veranschlagt. Weitere 60 Millionen Euro werden in den sogenannten „Sommer-Personalverstärkungsplan“ investiert. Über 4.000 zusätzliche Fachkräfte sind seit Juli eingestellt worden, um den erhöhten Bedarf in der Sommerzeit zu decken, 516 wurden fest angestellt, 36 Sommer-Gesundheitszentren wurden eröffnet und die Notdienste verstärkt.

Kein Wunder also, dass das regionale Gesundheitsressort sich darüber beschwert, diese Kosten „allein“ decken zu müssen. Im gesamten vergangenen Jahr seien durch die Behandlung von ausländischen Patienten Extrakosten in Höhe von 88 Millionen Euro entstanden, so die Klage des Ressorts. Das Gesundheitsministerium konnte gerade einmal 10% davon aus den Herkunftsländern der Patienten eintreiben.

Der Grund dafür liegt nach Meinung der Gesundheitsressorts darin begründet, dass die Mechanismen zur Rückerstattung dieser Kosten von Land zu Land unterschiedlich sind. So ist es beispielsweise sehr viel leichter diese Kosten von einem anderen EU-Land zurückzufordern, als von einem Land außerhalb der Europäischen Union. Dazu kommt, dass ausgerechnet der Bereich, in dem Touristen am meisten das spanische Gesundheitswesen in Anspruch nehmen, nämlich den Notdienststellen, häufig nicht die geeigneten Abrechnungsmechanismen gegeben sind, damit das spanische Gesundheitsministerium die Kosten später vom jeweiligen Herkunftsland der ausländischen Patienten zurückfordern kann.

Spanienweit stammen die meisten ausländischen Patienten aus Großbritannien und Deutschland, gefolgt von Italien und Frankreich.




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