Geschäfte mit Jahrhundertbäumen


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Der Handel mit altehrwürdigen Olivenbäumen reißt Naturdenkmäler aus ihrer angestammten Umgebung

Olivenbäume können sehr alt werden, nicht selten mehrere Hundert Jahre, manchmal sogar weit über tausend. Zudem sind die ursprünglichen Arten sehr robust und anpassungsfähig, weshalb sie sogar eine Verpflanzung im hohen Alter überstehen können.

Diesen Umstand machen sich schon seit über einem Jahrzehnt findige Geschäftsleute zunutze, die auf dem spanischen Festland, im ländlichen Raum, alte, teils tausendjährige Bäume aufkaufen, sie in gigantische Pflanzkübel umsetzen und auf Speziallastwagen abtransportieren lassen, um sie an betuchte Privatleute oder Golfplatzbetreiber, Hotels oder Großunternehmen zu verkaufen. Die schmücken ihre Dependancen mit altehrwürdigen Bäumen, unter denen schon die Zeitgenossen der Antike Schatten gefunden und deren Früchte geerntet haben könnten.  

Die eindrucksvollsten Exemplare in diesem Geschäft zählen angeblich bis zu zweitausend Jahre und sind den Käufern mehrere zehntausend Euro wert. Im Jahr 2011 bezahlte ein französischer Bieter bei einer Versteigerung 64.000 Euro für einen spanischen Olivenbaum, den er nach dem römischen Kaiser Domitian benannte. 

Die größte Sammlung umgepflanzter Olivenbäume legte der 2014 verstorbene Banker und Multimillionär Emilio Botín auf seiner Finca Boadilla del Monte bei Madrid an. Dort stehen nahezu fünfhundert alte Olivenbäume, von denen jeder einzelne einen Namen aus der antiken Mythologie trägt.  

Auch wenn Vertreter der Branche behaupten, das Geschäft mit den alten Olivenbäumen sei nach dem Platzen der Immobilienblase zusammengebrochen und werfe nicht mehr viel ab, gibt es doch Dutzende von Anbietern in ganz Spanien, aber auch etliche in Frankreich, Großbritannien, den USA und Deutschland. 

Das Phänomen hat auch eine illegale Seite: Wie die Guardia Civil berichtet, kam es mehrfach vor, dass geeignete Bäume ohne Erlaubnis der Eigentümer entwurzelt und abtransportiert wurden. Diese Machenschaften fanden jedoch nach Beginn der Krise ein Ende. 

Luis Rallo, Agraringenieur und Professor an der Universität Córdoba, hält die Branche für überschätzt. Man tendiere dazu, bei den Altersangaben zu übertreiben, da eine exakte Bestimmung nicht möglich ist. Es gebe weitaus weniger tausendjährige Exemplare als gemeinhin behauptet werde. Er befürwortet den Schutz der alten Olivenbäume, geht jedoch davon aus, dass es in ganz Spanien nur etwa tausend schützenswerte Exemplare gibt. Rallo sieht durch den Baumhandel nicht zuletzt auch die Artenvielfalt gefährdet, gibt es doch allein in Spanien 272 verschiedene Gattungen von Olivenbäumen. 

Die Händler jedenfalls sind der Meinung, sie würden zum Schutz der Baumgreise beitragen, und versichern, dass die große Mehrheit von ihnen die Verpflanzung überlebt. Sie würden dadurch sogar eine zweite Chance erhalten, weil die meisten Exemplare vernachlässigt seien oder gar abgeholzt werden sollten, um produktiveren Jungbäumen Platz zu machen. Die Bauern würden sie selbst zum Verkauf anbieten, um sie nicht fällen zu müssen. 

Nicht jeder sieht dies so positiv. Es gibt in Europa schon viele Regionen, wo es verboten ist, über hundertjährige Olivenbäume anzutasten, beispielsweise in Puglia in Italien. In Spanien sind dagegen bisher nur einzelne Exemplare unter Schutz gestellt worden. Nur in Valencia gibt es seit 2006 ein Gesetz, welches dem bis dahin herrschenden Ausverkauf des historischen und landschaftlichen Erbes der Region Einhalt gebot. Dort sollen zuvor täglich einschlägige Transporte unterwegs gewesen sein. Nun dürfen dort keine Bäume mehr abtransportiert werden, die eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfüllen: Älter als 350 Jahre oder sechs Meter Stammumfang bzw. 25 Meter Kronenumfang oder 30 Meter Höhe.

Die Stiftung Fundación Rodríguez de la Fuente sammelt Unterschriften, um das Europaparlament dazu zu bewegen, ein entsprechendes Gesetz für die gesamte Europäische Union zu verabschieden. 




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