Energiereform stellt Laufzeitverlängerung für Garoña infrage


Betreiber schrecken vor hohen Kosten zurück

Die Energiereform, welche die spanische Regierung in Vorbereitung hat, richtet sich gegen ihre eigenen, heftig verfochtenen Pläne, die Laufzeit der Atomkraftwerke zu verlängern.

Madrid – Es geht besonders um Garoña, das 2013, nach einer Lebensdauer von 42 Jahren, den Betrieb einstellen sollte. Hier hatte das Kabinett von Mariano Rajoy gleich nach Übernahme der Regierung im Dezember letzten Jahres eine Verlängerung der Laufzeit bis 2019 beschlossen.

Dafür hatte der Rat für nukleare Sicherheit CSN eine Reihe von Investitionen vorgeschrieben, deren Kosten von der Betreibergesellschaft mit hundert Millionen Euro beziffert wurden. Hinzu käme dann noch die Steuer auf atomare Abfälle, die Industrieminister Soria in Vorbereitung hat.

Das hat die Stromkonzerne Endesa und Iberdrola, die zu je 50% Eigentümer des Atomkraftwerkes sind, zu der Entscheidung veranlasst, den Antrag auf Laufzeitverlängerung vorläufig zurückzustellen. Es sei zu früh, um eine konkrete Kalkulation aufzustellen, in welchem Maße die Reformen sich auf die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen auswirken würden.

Partido Popular hatte nie einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie entschlossen sei, die Laufzeit der spanischen Atomkraftwerke zu verlängern. Das gilt insbesondere für Garoña, dessen offizielle Lebensdauer von vierzig Jahren bereits 2011 ausgelaufen war und nach dem Willen der sozialistischen Vorgängerregierung von José Luís Zapatero auch nicht verlängert werden sollte. Doch weder der Atomunfall von Fukushima mit einem Reaktor, der ein „Zwillingsmodell“ des Reaktors von Garoña ist, noch die Tatsache, dass Staaten wie Deutschland, die Schweiz, Italien und Belgien aus der Atomkraft zur Energieerzeugung aussteigen, hat die Regierung bewogen, umzudenken. Noch am 3. Juli hatte das Industrieministerium eine Verordnung veröffentlicht, die eine Laufzeitverlängerung für Garoña bis 2018 vorsieht, also sechs Jahre mehr als von der sozialistischen Regierung vorgesehen.




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