Ein ganzes Dorf steht unter Mordverdacht


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Der umstrittene Bürgermeister von Fago, Miguel Grima, wurde erschossen . Die Täter müssen ihn gekannt haben

Umstritten, ja, das sei er schon immer gewesen, so sehr, dass er bereits mehrmals von Unbekannten Drohbriefe erhalten habe, doch ihn umbringen, nein, das kann niemand aus dem Dorf getan haben.

Fago – So in etwa lauteten die Kommentare, die einige wenige Bewohner des Dorfes Fago den Journalisten gegenüber abgaben, nachdem ihr Stadtvater Miguel Grima (PP) am 13. Januar tot aufgefunden wurde – mit Jagdgewehren erschossen von einem oder mehreren Tätern, die bestens über die Bewegungen des Bürgermeisters Bescheid gewusst haben müssen. Denn die Tat geschah zu nächtlicher Stunde auf dem einzigen Weg, der in das Dorf führt. Grima hatte an diesem Abend in einem Nachbarort an einer Versammlung der Stadtväter der Region teilgenommen und befand sich auf dem Heimweg, als ihm absichtlich und in bester Indianer-Manier auf die Straße gerollte Steine den Weg versperrten. Er stoppte seinen Mercedes 190, so jedenfalls die Vermutungen der Polizei, und stieg aus. Ein Hagel aus Schrotkugeln empfing ihn und verletzte ihn tödlich. Sein Wagen wurden später auf einem abgelegenen Weg wenige Kilometer vom Tatort entfernt entdeckt.

Bislang verfügt die Polizei nur über einen Zeugen. Einen Dorfarzt, der noch nicht allzu lange in der Gegend wohnt und etwa zur Mordzeit an dem Tatort vorbeifuhr. Nach seiner Aussage sah er den Wagen des Bürgermeisters am Straßenrand stehen und verlangsamte die Fahrt, um zu sehen, ob er Grima behilflich sein könnte. In dem Moment wurde ihm von jemandem, den er nicht erkennen konnte, mit einer Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet und mit energischen Handbewegungen angezeigt, er solle weiterfahren. Er habe sich dann keine weiteren Gedanken über den Vorfall gemacht.

Für die Ermittler steht fest: Jeder Bewohner des Dorfes könnte es gewesen sein. In Fago leben fest nur etwa 20 Anwohner, die übrigen Häuser werden meist nur als Ferien- bzw. Wochenend-Domizil genutzt. Das war auch einer der größten Reibungspunkte zwischen dem ermordeten Bürgermeister und den meisten Bewohnern. Denn Grima weigerte sich, die behördliche Anmeldung von Anwohnern anzunehmen, die weniger als sechs Monate und einen Tag pro Jahr in dem Dorf leben. Diese und weitere umstrittene, als eigenmächtig kritisierte Anordnungen bereiteten dem Bürgermeister in dem Dorf viel Ärger und brachte ihm zahlreiche Gegner unter den Einwohnern ein, die ihn offen anfeindeten. Parteigenossen erklärten nach seinem Tod den Medien gegenüber, der Druck auf Grima sei in der letzten Zeit so groß geworden, dass er bei den Kommunalwahlen im Mai dieses Jahres nicht mehr kandidieren wollte.

In den Straßen des Dorfes sind jetzt kaum noch Anwohner zu sehen. Dafür aber umso mehr Medienvertreter, die versuchen, Licht ins Dunkel einer Mordgeschichte zu bringen, die einem Kriminalroman entsprungen zu sein scheint.

Währenddessen wurden einige Einwohner des Dorfes Fago und des Nachbarortes Jaca bereits zur Aussage zur Guardia Civil zitiert, und die von ihnen Fingerabdrücke und Speichelproben zur DNA-Analyse genommen hat.




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