Die Frauenbewegung zeigte am 8. März ihre Kraft

Kundgebung entlang der Gran Vía in Madrid am 8. März Foto: EFE

Kundgebung entlang der Gran Vía in Madrid am 8. März Foto: EFE

Trotz der Furcht vor dem Coronavirus fanden in den Großstädten Kundgebungen mit Zigtausenden Teilnehmern statt

Madrid – Am 8. März, dem Weltfrauentag, haben die Feministinnen spanienweit ihre Kapazität zur Mobilisierung, trotz der Angst vor dem Virus unter Beweis gestellt. Wenn auch die Teilnehmerzahlen an den Kundgebungen und Märschen hinter denen von 2017 und 2018 zurückblieben, waren in den großen Städten Zigtausende Personen auf den Straßen. Das beweist, dass der spanische „8-M“ eine Referenz in Europa ist.
An dem großen Marsch in Madrid nahmen, mit Ausnahme von VOX, Vertreter sämtlicher Parteien teil. Im vergangenen Jahr dagegen hatte die Partido Popular von der Teilnahme abgeraten und auch keine Vertreter mit dabei.
Die Forderungen und Motive der Kundgebungen von 2018 und 2019 sind unverändert: Geschlechtsspezifische Gewalt, unterschiedliche Bezahlung zwischen Männern und Frauen, Diskriminierung, unbezahlte Arbeit. Nicht nur das Coronavirus, auch die Tatsache, dass der Weltfrauentag in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, hat zu geringeren Teilnehmerzahlen geführt. Trotz aller Hinderungsgründe hat sich gezeigt, dass die Frauenbewegung in Spanien europaweit den größten Zuspruch findet und zusammen mit Lateinamerika weltweit führend ist. In anderen Ländern Europas war die Beteiligung längst nicht so groß. Dort blieben die Teilnehmerzahlen weit hinter denen von Spanien zurück. Auch die Tatsache, dass in diesem Jahr alle politischen Parteien mit Ausnahme von der rechtsradikalen VOX, zur Teilnahme aufgerufen und auch prominente Teilnehmer entsandt hatten, wirkte sich positiv aus.
Mit 120.000 Teilnehmern fand die größte Veranstaltung in Madrid statt, die unter dem Leitmotiv „Revuelta Feminista: con derechos, sin barreras, feministas sin fronteras“ – Etwa: „Feministische Revolte: mit Recht, ohne Barriere, Feministinnen ohne Grenzen“, marschierten. In Barcelona gab die Polizei die Teilnehmerzahl mit 50.000 an, während es im vergangenen Jahr noch 200.000 waren. In Bilbao nahmen 60.000 Personen teil, etwa die gleiche Zahl wie im vergangenen Jahr.
Natürlich waren auch sehr viele Männer bei den Kundgebungen, die sich mit den Frauen solidarisch zeigen wollten. „Seit dem Jahr 2003, als damit begonnen wurde, eine offizielle Statistik zu führen, sind 1.047 Frauen getötet worden und 15 schon in diesem Jahr“, erklärt einer der Teilnehmer vor der Fernsehkamera. Er sei Eisenbahner und nehme teil, damit die Frauen die gleiche Bezahlung erhalten wie die Männer, erklärte er. Zurzeit läge der Unterschied bei durchschnittlich 13%. Wenn es um die gleichen Aufgaben gehe, sogar bei 23%.
VOX war die einzige große Partei, die an keinem der Märsche zum 8. März teilgenommen hat, und die Frauen als verrückt vor Hass bezeichnete. Die Ablehnung des Feminismus war vielmehr das zentrale Thema eines Treffens, das in Madrid stattfand. Parteichef Santiago Abascal ließ sich zu der Äußerung hinreißen, dass die, welche die Frauen sicher nicht repräsentieren, einige Verrückte sind, welche schreckliche Dinge schreien und andere Frauen damit erschrecken. Rocio Monasterio, die Präsidentin von VOX in Madrid, benutze den größten Teil ihrer Rede damit, die Kundgebungen zu kritisieren. „Die Linken geben die Ideen und dann kommen die Wetterfähnchen und die Weichlinge, und folgen ihnen nach“, erklärte sie mit einem Seitenhieb auf Ciudadanos und Partido Popular, die sich davon mehr Subventionen erhofften.

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