Die Finanzspritze für Spaniens Banken wird täglich erwartet


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Die Aktien von Bankia schossen daraufhin in die Höhe

Bankia, das spanische Finanzinstitut, das Europa die größten Sorgen bereitet hat, wird schon in Kürze über die notwendigen Mittel verfügen, um das Gespenst der Insolvenz endgültig zu vertreiben.

Madrid – Das hat das spanische Wirtschaftsministerium vor einigen Tagen bestätigt. Im vergangenen Monat hatten die EU-Wirtschaftsminister bekanntlich eine sofortige Finanzspritze in Höhe von dreißig Milliarden Euro für notleidende spanische Banken beschlossen. Das ist eine Vorauszahlung der insgesamt hundert Milliarden Euro, welche die hoch verschuldeten spanischen Banken sanieren sollen. Das Loch, das die vielzitierte Immobilienblase bei den Finanzinstituten hinterlassen hat, ist so groß, dass es unmöglich erschien, noch bis September mit der Auszahlung der Hilfsgelder zu warten. Die Aussicht, dass die Zahlung unmittelbar bevorsteht, hat die Aktien von Bankia an der Börse in die Höhe schnellen lassen. Gleich am ersten Tag, nachdem die Meldung bekannt wurde, stieg ihr Wert um 6,9 Prozent und überschritt zum ersten Mal in drei Monaten den Wert von einem Euro pro Aktie. Elf Tage lang kletterte die Bankia-Aktie bis zu einem Höchstwert von 1,65 Euro pro Stück, hatte ihren Wert also verdreifacht. Dann sah sich das spanische Wirtschaftministerium veranlasst, diese Spekulationsblase zum Platzen zu bringen, um die Sparer zu schützen, wie aus dem Ministerium verlautete. An einem einzigen Tag verlor die Aktie daraufhin 19 Prozent, nachdem der FROB (Fonds zur geordneten Restrukturierung des Bankwesens) beschloss, die Euphorie auszubremsen, um zu verhindern, dass kleine Sparer ihr Geld riskierten. Mit dem klassischen Mittel der Einschüchterung wies der FROB daraufhin, dass die Aktionäre mit Sicherheit Geld verlieren werden, wenn sie ihren Anteil an der „Rettungssumme“ zurückzahlen müssten.

Aus Brüssel, wo man die These vertritt, dass die Rettung von Banken den Staat so wenig wie möglich kosten sollte, war die plötzlich ausgelöste Spekulationswelle bei Bankia mit kritischen Augen betrachtet worden. Und so hat dann die Europäische Kommission darauf gedrängt, dem Treiben an der Börse Einhalt zu gebieten. Allerdings wurde von offizieller Stelle darauf hingewiesen, dass die EU auf das Geschehen an den Finanzmärkten keinen Einfluss nehme.

Die Mitteilung, welche dem sprunghaften Anstieg der Bankia-Aktie Einhalt gebot, bestand nur aus einem einzigen Absatz und besagte in Wirk­­lichkeit nichts Neues, war jedoch klar und deutlich: „Ban­kia und Banco de Valencia werden zurzeit einer rigorosen Buchprüfung unterzogen. Die Vermögenssituation der Bankia-Gruppe schloss 2011 mit Verlusten von 3,318 Milliarden Euro, und es wird eine Umstrukturierung stattfinden.“ Und dann folgte der wirkliche Schreckschuss: „Die Aktionäre müssen sich an der Deckung der Kosten für die Sanierung der Banken beteiligen, die mit öffentlichen Geldern unterstützt worden sind.“

Bekanntlich ist Bankia das spanische Kreditinstitut, das die meisten Gelder aus dem europäischen Fonds benötigt. Nach der Berechnung ihres neuen Präsidenten José Ignacio Goirigolzarri handelt es sich um sage und schreibe 19 Milliarden Euro.

Die Reaktion auf die Warnung des FROB war beispiellos, seit diese Institution  im Januar 2010 ins Leben gerufen wurde, um die Reform des spanischen Bankensektors in die Wege zu leiten, trat jedoch mit einiger Verzögerung ein. Während die Aktie in den ersten Minuten nach Eröffnung der Börse erneut anstieg, sackte sie am gleichen Tag um 19% ab, nachdem die Warnung bekannt wurde.




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