Bauboom und Klimawandel


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Strände von La Manga weichen dem steigenden Meeresspiegel

Bei La Manga handelt es sich sowohl um eine zwischen 100 und 1.500 m breite Nehrung, die den Salzsee Mar Menor vom Mittelmeer trennt, als auch um ein beliebtes Erholungs- und Urlaubsgebiet im Südosten Spaniens. Doch leider ist auch hier das Landschaftsbild vom Bauboom, von der Gewinnsucht und Profitgier des Sektors geprägt.

Álvaro Sixto, Freiwilliger der Umweltschutzorganisation Anse und Einwohner des rund 22 km langen „Ärmels“, setzt sich seit Jahren für die Regenerierung des Gebiets ein. Der Zeitung „El País“ gegenüber klagte er die übermäßige Bebauung an. Es gebe Stellen auf La Manga, an denen man – umringt von Gebäuden – nicht das Meer sehen könne, obwohl dieses an beiden Seiten nur wenige hundert Meter entfernt sei. Sixto wies weiter darauf hin, dass bereits in den 90-ern viele Anwohner einen Baustopp forderten, unter anderem auch, um den Folgen des klimawandelbedingten Anstiegs des Meeresspiegels entgegenzuwirken. 

Nichtsdestotrotz wurden alle Warnungen in den Wind geschlagen und weitergebaut. Vor zwanzig Jahren bezeichneten noch viele den Klimawandel als Hirngespinst der Umweltschützer. Erst 2007 erkannte die Regierung die Gefahr und schlug einen Baustopp vor, der jedoch nicht verabschiedet wurde. Man baute unentwegt weiter, und schließlich war auch der letzte freie Fleck im äußersten Norden La Mangas zugebaut.  

Nun zeigen sich die ersten Folgen. Würde die Region die Strände am Mar Menor nicht regelmäßig mit Sand auffüllen, würde La Manga alle zehn Jahre fast einen Meter Strand einbüßen.

Doch nicht nur der Landstrich an sich und die natürliche Umwelt, auch der wichtigste Wirtschaftssektor der Gegend – der Tourismus – befindet sich in Gefahr. 

Viele der Neubauten haben keinen Käufer mehr gefunden. Im nördlichen Teil von La Manga reiht sich ein „Se-vende-Schild“ an das nächste. Ein verlassener Golfplatz vermittelt ebenfalls den Eindruck, dass die goldenen Zeiten der Vergangenheit angehören. 

Antonio Plaza, Präsident der lokalen Vereinigung der Hoteliers und Gewerbetreibenden, sprach sich jüngst für einen vermehrten Schutz sowie eine Umwandlung der leer stehenden Wohnungen in Ferien-Apartments aus, sowie für die Bebauung der letzten freien Gebiete mit Hotels und Einkaufszentren. Laut dem Umweltministerium würde die Umsetzung eines solchen Vorschlages das Gebiet noch stärkerer Gefahr aussetzen. Doch die Aussage von Plaza ist repräsentativ für die Meinung der ortsansässigen Unternehmer, die größtenteils die Folgen der ausgeuferten Bebauung und des Klimawandels ablehnen. 

Álvaro Sixto stößt in seiner Arbeit gegen erheblichen Widerstand. Umso mehr freut er sich über kleine Erfolge, wie die Bepflanzung eines ein Hektar großen, städtischen Geländes am Eingang zu La Manga mit einheimischen Pflanzen.

Auswirkungen auf den Tourismus

Heutzutage werden der Klimawandel und der Anstieg des Meeresspiegels nicht mehr infrage gestellt. Fraglich dagegen sind die Auswirkungen auf den Tourismus, der für Spanien eine erhebliche wirtschaftliche Rolle spielt und 11% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmacht. 

Aus einer vom Umweltministerium durchgeführten Studie geht hervor, dass bis 2040 sich die kantabrischen und kanarischen Strände – bestenfalls – durchschnittlich um drei Meter zurückgebildet haben. Am Golf von Cádiz soll die Einbuße bei zwei Metern liegen, am Mittelmeer bei über anderthalb Metern. Auch wird der Klimawandel zur Verstärkung der Unwetter und starker Regenfälle führen. 

Auf den Tourismus-Sektor kommen – unter anderem – neue Kosten wie die Vorbereitung auf Notsituationen, den Abschluss von Zusatzversicherungen, die Installation einer autarken Wasser- und Stromversorgung etc. hinzu. 




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