Auswanderungswelle hält an


Die spanische Auswanderungswelle hält weiter an. Nach den neuesten Daten des Nationalen Statistikinstituts (INE) waren am 1. Januar 2016 etwa 2,3 Millionen Spanier bei den ausländischen Konsulaten gemeldet – knapp 6% mehr als ein Jahr zuvor und rund 57% mehr als 2009, als die Wirtschaftskrise Spanien bereits voll im Griff hatte. Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass die Auswanderungswelle anhält.

Zu den Hauptursachen gehört die Annahme der spanischen Staatsangehörigkeit von Ausländern, also Migranten, welche die doppelte Staatsangehörigkeit in Spanien angenommen haben, um dann wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren. So sind die meisten im Ausland lebenden Spanier in Argentinien (440.000), Venezuela (188.000), Brasilien (125.000), Kuba (129.000) und Mexiko (123.000) erfasst.

Andreu Domingo, Vizedirektor des Zentrums für demografische Studien, führte gegenüber der Tageszeitung El País als Paradebeispiel zur Veranschaulichung der Situation Ecuador an. Von den 11.782 „neuen“ Spaniern, die sich 2015 in den spanischen Konsulaten eingeschrieben haben, seien 8.820, also 75%, nicht in Spanien geboren. Sie seien nach Spanien gezogen, hätten die doppelte Staatsangehörigkeit erworben und seien wieder zurückgekehrt. Bei dem Großteil der in Spanien geborenen Personen handele es sich wiederum um die Kinder dieser Einwanderer. 

Das 2007 beschlossene „Gesetz des historischen Gedenkens”, welches den Opfern des Franquismus – konkret den Kindern von Flüchtlingen, die im ausländischen Exil geboren wurden – die Annahme der spanischen Staatsangehörigkeit ermöglichte, trug ebenfalls zum Anstieg der im Ausland lebenden Spanier bei. Domingo verwies dabei auf Argentinien, wo der größte Teil derjenigen, die sich 2015 einschreiben ließen, als Kinder von Flüchtlingen in Argentinien geboren wurden. 

Weiterhin treibt die Wirtschaftskrise insbesondere junge Talente vermehrt ins Ausland. So stieg in Deutschland die Zahl der dort lebenden Spanier seit 2009 um 35% auf 140.000, in Großbritannien um 77% auf 102.000. 




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