Auf der Ladefläche von Ventimiglia nach Girona


Den Grenzübergang La Jonquera passieren die Migranten, die eigentlich nach Frankreich wollen, meist aus Versehen. Foto: EFE

Im Bereich des Grenzübergangs La Jonquera kamen in den letzten drei Monaten 90 Immigranten in 14 Lastern versteckt an

Girona – Nach Girona im äußersten Nordosten Spaniens hat sich eine neue Migranten-Route herausgebildet, die von Ventimiglia in Italien über Frankreich nach La Jonquera führt. In den vergangenen drei Monaten wurden mehr als neunzig illegale Einwanderer entdeckt, welche die Grenze auf den Ladeflächen von vierzehn verschiedenen Lastwagen am Übergang La Jonquera passiert haben. Sie alle kamen aus Ventimiglia, einer italienischen Stadt an der französisch-italienischen Grenze, wo in einem großen Containerlager unter der Autobahn Hunderte von Migranten verschiedener Nationalitäten leben. Ihr großer Traum ist es, nach Frankreich hinüberzugelangen. Werden sie auf spanischem Territorium angetroffen, so werden sie binnen Stunden zurück nach Frankreich gebracht.

Der erste dieser Lastwagen wurde am 9. Februar in Garrigàs südlich von Figueras entdeckt. Zwischen Matratzen, die er nach Valencia transportierte, hatten sich vier Tunesier versteckt. Seitdem kamen etliche weitere Migranten in Lastwagen verborgen über die Grenze und wurden entlang der Autobahn AP-7 aufgegriffen. Zwischen dem 9. Februar und dem 7. Mai wurden in Lastwagenanhängern 79 Männer, sechs Frauen und fünf Kinder gefunden. Letztere wurden in die Obhut des spanischen Jugendamtes übergeben.

Der für die Grenzüberwachung zuständige Koordinationskommissar der Nationalpolizei, Luis César Suanzes, geht davon aus, dass Spanien nur marginal von diesem Problem betroffen ist.  Es sei ein Irrtum, zu glauben, dass es außer den neunzig Migranten, die entdeckt wurden, noch Hunderte weitere gebe, die unentdeckt ins Land gekommen seien. Zwischen Spanien und Frankreich werde das Abkommen von Málaga von 2002 angewandt, nach dem alle irregulär eingereisten Personen innerhalb von zwölf Stunden nach Frankreich zurückgeführt werden. Diejenigen, die eventuell unentdeckt ins Land gelangen, würden zudem nicht bleiben, da ihr Ziel Frankreich sei, wo sie Familie oder Freunde haben, die sie aufnehmen und ihnen eine Schwarzarbeit beschaffen würden.

Die Fahrer aller Lastwagen, mit denen Migranten nach Girona kamen, hatten in Ventimiglia übernachtet. Dort befindet sich ein Engpass der illegalen Migration über Italien nach Frankreich. Allein im Jahr 2016 hat Frankreich dort 18.000 Migranten beim versuchten Grenzübertritt aufgegriffen und nach Italien zurückgeschickt. Zurzeit leben rund 600 von ihnen mehr schlecht als recht in dem Lager unter der Autobahnbrücke und warten auf ihre Gelegenheit, sich in einem Lastwagen zu verstecken. Es handelt sich um Sudanesen, Eritreer, Äthiopier, Nigerianer, Somalier, Senegalesen und Malier, die über die Türkei oder mit Booten an die Küsten und nach Lampedusa vor der tunesischen Küste gekommen sind. In dem Lager gibt es Leute, die den Migranten für rund 50 Euro helfen, einen nicht versiegelten Anhänger zu finden. Einige gelangen so nach Frankreich. Andere, die sich in der Fahrtzeit verrechnen, kommen aus Versehen bis nach Spanien. Dann machen sie sich durch Klopfen und Rufen bemerkbar, und die Fahrer rufen die Polizei, die sie nach Frankreich zurückbringt. Frankreich und Italien haben, laut Suanzes, ihre Kontrollen nun verschärft und kontrollieren doppelt so viele Lastwagen, wie vorher. Die Franzosen tun alles, damit die Migranten in Italien bleiben.

Ungefährlich ist dieser illegale Grenzverkehr nicht: 1997 kam es zu einem Lastwagenunfall im grenznahen Campmany, bei dem elf Menschen ums leben kamen.




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