Audienz im Vatikan

Schnappschuss der Unterhaltung von Papst Franziskus und Pedro Sánchez Foto: EFE

Schnappschuss der Unterhaltung von Papst Franziskus und Pedro Sánchez Foto: EFE

Nach einer Woche mit schwierigen gesundheitspolitischen, aber auch allgemeinen politischen Problemen wurde Präsident Sánchez von Papst Franziskus empfangen

Rom – Papst Franziskus hat Präsident Pedro Sánchez und seine Frau Begoña Gómez am 24. Oktober empfangen. Es war das erste Mal, dass der Papst dem spanischen Regierungschef eine Audienz gewährte, seit dieser seit Juni 2018 im Amt ist. In den vergangenen sieben Jahren war kein spanischer Regierungschef mehr im Vatikan empfangen worden.
Das Treffen mit dem Papst fand auf Ersuchen der spanischen Regierung statt, verlautete aus dem Regierungssitz Moncloa. Dieser Besuch in Rom bildete sozusagen den Abschluss einer ereignisreichen politischen Woche, an deren Ende der Präsident ein Bild des Einverständnisses mit dem Oberhaupt der Katholischen Kirche präsentieren konnte. Eine für diese Art von offiziellen Besuchen ausgesprochen ungewöhnliche Rede des Papstes wurde aufgezeichnet und an die Medienvertreter verteilt. Darin hatte Franziskus seinen Besucher gebeten, das Vaterland mit allen gemeinsam aufzubauen und warnte vor der Gefahr von Ideologien in diesem Amt. „Die Politik ist keine Frage von Manövern“ erklärte er unter anderem vor der spanischen Delegation.
Das Treffen dauerte 35 Minuten, einschließlich der aufgezeichneten Ansprache des Papstes. Themen der Gespräche waren nach Auskunft der Regierung die bilateralen Beziehungen zwischen Spanien und dem Vatikan, eine Analyse der durch die Pandemie entstandenen sozialen und wirtschaftlichen Situation, die der Präsident dem Heiligen Vater erläutern wollte. Auch seine Perspektive des Fortschritts der Menschenrechte im Einklang mit der neuen Enzyklika „Fratelli Tutti“, die Papst Francisco kürzlich veröffentlicht hat, und aus der Sánchez bei der Debatte im Rahmen des Misstrauensantrags von VOX mehrfach zitierte.

Präsident Sánchez und seine Frau bei Papst Franziskus Foto: EFE
Präsident Sánchez und seine Frau bei Papst Franziskus Foto: EFE

Offenbar im Kontext dieser Auseinandersetzungen sprach der Papst spontan einige Worte, mit denen er einen moderaten Ton bei politischen Debatten forderte und die Einbeziehung aller politischen Akteure in einer Vereinbarung, die Spanien einen Fortschritt ermögliche. Das beziehe sich sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Zukunft, um einen möglichen Bruch zwischen den Generationen vor dem Hintergrund der Geschichte zu verhindern. „Das Vaterland ist das Schwierigste, gemeinsam müssen wir es aufbauen. Es ist uns nicht erlaubt, uns dahinter zu verstecken, was vor 50 oder 100 Jahren war. Man erhält die Wurzeln, um Früchte zu bringen. Ich bin Sohn, aber deshalb muss ich Vater der Zukunft sein. Daher muss man in der Gegenwart leben, die Urteilskraft erfordert“, erklärte der Papst unter anderem. „Das bedeutet viel Arbeit und ist auch nicht leicht, teilen Sie den Mitgliedern des Parlaments mit, was der Papst darüber denkt“, bat er. Mit seinen Worten schien er sich auf die Probleme zwischen der Regierung und Katalonien zu beziehen. „Eine Nation zu konsolidieren, bringt oftmals Verständigungsschwierigkeiten aufgrund des Regionalismus und der Dialekte mit sich. Das kommt in vielen Ländern vor. Es geht aber auch um Recht und Justiz, um zu erreichen, dass die Nation immer stärker wird. Die Mission der Politiker ist eine höhere Form der Nächstenliebe. Schwierige Fälle zu lösen sind keine Manöver, sondern ein Service. Es ist sehr traurig, wenn die Ideologien das Verständnis einer Nation in Besitz nehmen und das Vaterland verformen“.
Der Vatikan hatte seinerseits Interesse daran, offene Fragen, wie die Liste des eingetragenen Immobilienvermögens der spanischen Kirche zu klären, die der spanische Fiskus schon vor längerer Zeit angefordert hatte, sowie die Erhebung einer entsprechenden Grund- und Gebäudesteuer, von der sie bislang befreit war. In den kommenden Wochen sollen entsprechende Gespräche zwischen der Spanischen Bischofskonferenz und der Regierung stattfinden. Nach dem Besuch beim Papst traf sich Pedro Sánchez noch mit dem Sekretär für Staatsangelegenheiten des Vatikans, Paul Gallagher.
Das Szenario war so, wie es bei solchen Anlässen üblich ist. Der Präsident und seine Frau wurden im Auftrag der italienischen Regierung in einem schwarzen Maserati in den Vatikan gefahren. Beide waren dunkel gekleidet, wie es dem vatikanischen Protokoll entspricht. Der spanischen Abordnung gehörten auch die Botschafterin vor dem Heiligen Stuhl, Carmen de la Peña, an sowie Mitglieder des Ministeriums für Präsidentschaftsangelegenheiten. Sánchez schenkte dem Papst ein Faksimile des Stundenbuches des Bischofs Juan Rodríguez de Fonseca. Papst Franziskus überreichte ihm einige Ausgaben seiner letzten Enzyklika und mehrere seiner Texte.

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