Ana María Ríos – Vom Drama zur „Vie en rose”


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Ende 2006 saß sie zehn Tage unschuldig in Mexiko im Gefängnis, jetzt macht sie ihr Erlebnis zum Geschäft

Arcade, eine kleine Ortschaft in der galicischen Provinz Pontevedra, steht Kopf. Ana María Ríos, ihre berühmteste Einwohnerin hat sich für die Fotografen der reißerischen Zeitschrift Interviù ausgezogen und dafür vermutlich eine „Unsumme“ kassiert.

Vigo – Grund für die Aufregung ist nicht etwa der Stolz auf eine berühmte, erfolgreiche Mitbürgerin, nein, ein Großteil von Arcades Einwohnern ist schlicht und ergreifend empört. Denn Ana María Ríos gelangte nicht etwa durch eigenen Verdienst zu spanienweiter Berühmtheit. Nein, die zierliche Gallega verdankt ihren heutigen Ruhm äußerst dramatischen Umständen, die, so die Meinung von Arcades Einwohnern, nicht zuletzt dank ihres uneigennützigen Einsatzes sozusagen in letzter Minute zum Guten gewendet werden konnten.

Ende vergangenen Jahres wurde Ríos nach zwei Wochen Hochzeitsreise in Mexiko vor ihrem Rückflug am Flughafen von Cancún verhaftet (das Wochenblatt berichtete). In ihrem Gepäck hatte man diverse Sprengkörper-Bestandteile und Gewehrkugeln entdeckt. Obwohl relativ schnell feststand, dass die 26-Jährige nichts damit zu tun haben konnte und vermutlich Opfer eines Ablenkungsmanövers an dem für seine korrupten Beamten berüchtigten Flughafen geworden war, dauerte es zwölf Tage, bis die junge Frau aus dem Gefängnis entlassen wurde und kurz darauf, mit diversen Auflagen, in ihre Heimat zurückfliegen durfte.

Der Fall der jungen Gallega erregte damals großes Aufsehen, das weit über die Grenzen ihrer Heimatregion hinausging. Tatsache ist jedoch, dass es die Einwohner der Stadt, in der die junge Frau seit längerem lebt und einen Friseursalon betreibt, die sich beispielhaft für ihre Freilassung einsetzten. Kenner diplomatischer Gepflogenheiten sind sicher, dass die Solidaritätsbekundungen und Demonstrationen, die in den Tagen der Ungewissheit organisiert und von al-len Medien ausgestrahlt wurden, tatsächlich ausschlaggebend dafür waren, dass die mexikanische Justiz in diesem Fall so schnell agierte.

Ana María Ríos wurde in diesen knapp zwei Wochen bis zu ihrer Rückkehr zu einer Art Heldin. Freunde hatten eine Limousine organisiert, mit der sie und ihr Mann Marcos Davisilva vom Flughafen abgeholt und nach Arcade gebracht wurden. Beide zeigten sich ob der Zuneigung und Unterstützung gerührt und dankbar und teilten dies auch in diesem Sinne mit.

Bereits wenige Tage darauf trat Ríos in einer der wichtigsten Talkshows der spanischen Fernsehwelt auf, um über ihr dramatisches Erlebnis zu berichten, und überraschte mit ihrer Selbstsicherheit und Natürlichkeit in einem doch für sie eigentlich völlig unbekannten Medium. Sie schien sich dort richtig Zuhause zu fühlen und kündigte an, in Kürze ein Buch mit dem Titel „Ana María Ríos: Hochzeit, Gefängnis, Ruhm“ veröffentlichen zu wollen.

Dann wurde es wieder still um die junge Frau. Bis Mitte Januar, wo Interviú die Fotos der bis auf seidene Spitzenunterhöschen nackten Ríos veröffentlichte und damit „den Stolz der Menschen verletzte“, die sich einst für sie einsetzten, so lautet jedenfalls die weit verbreitete Kritik.

Ríos selbst versucht den Aufruhr gelassen zu nehmen und verkündet – selbstverständlich wieder in einer Fernsehsendung, die bekannt ist für die gute Bezahlung ihrer Gäste – sie habe mit dem verdienten Geld nur die Ausgaben decken wollen, die sie ihr mexikanisches Abenteuer gekostet hat. Wie viel genau ihr bezahlt wurde und ob sie sich nicht in Wirklichkeit eine Laufbahn im Fernsehhimmel der spanischen Klasse B-Prominenz erhofft, bleibt ihr Geheimnis.




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