„Adoptiere einen Orangenbaum“


Die Mitarbeiter des Crowd­-farming-Teams sind auf die verschiedensten Bereiche spezialisiert. Fotos: Naranjas del Carmen

Wie junge Unternehmer ein landwirtschaftliches Erfolgsmodell des 21. Jahrhunderts umsetzten

Valencia – Die Brüder Gabriel und Gonzalo Úrculo triumphieren mit ihrer Finca „Naranjas del Carmen“, dem Onlineversand von Obst und dem von ihnen erfundenen und patentierten Crowdfarming-Konzept. Der Sinn dieser innovativen Geschäftsidee liegt darin, dass Personen aus anderen Ländern einen Baum adoptieren und sich die Ernte zuschicken lassen. Das Konzept geht auf: Der Umsatz des Landwirtschaftsbetriebes ist von 25.000 Euro auf 2,5 Millionen Euro gestiegen.

Im Jahr 2011 entscheiden sich Gabriel und Gonzalo Úrculo, die Orangenplantage ihres Großvaters in Bétera (Valencia), die sie elf Jahre zuvor geerbt hatten, wieder auf Vordermann zu bringen. Die beiden Brüder, die während ihres Studiums eine Zeit lang in Großbritannien bzw. Deutschland lebten, gaben ihre jeweiligen Berufe auf, um sich nur noch der Landwirtschaft zu widmen. Sie krempelten den Betrieb um und führten die „Integrierte Landwirtschaft“ ein. Dabei werden moderne Werkzeuge und Technologien mit traditionellen Verfahren kombiniert, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu erreichen. Im Januar 2012 ging die Website naranjasdelcarmen.com online, um die Produkte per Internet direkt an den Endverbraucher zu verkaufen. In den folgenden Jahren wurde das Angebot von Orangen beispielsweise auf Olivenöl oder Rotwein erweitert.

Die Initiatoren des Projektes: Die Brüder Gabriel und Gonzalo Úrculo. Foto: Naranjas del Carmen

Im Dezember 2015 riefen die Brüder Ùrculo das Crowdfarming ins Leben. Dabei adoptieren die Kunden einen Baum: Sie lassen einen Orangenbaum auf der Plantage pflanzen und pflegen und erhalten dessen Früchte zugesandt. Die Kunden bekommen die Möglichkeit, dem Baum einen Namen zu geben und seine Entwicklung im virtuellen „Garten“ zu verfolgen. Weil der Baum im ersten Jahr noch keine Früchte trägt, wird zunächst die jährlich zugesagte Erntemenge mit den Früchten von älteren Bäumen abgedeckt. Später werden für die Zusendung der „eigenen“ Orangen nur Logistikkosten berechnet, die wegfallen, wenn die Orangen selbst abgeholt werden.

Im Juli 2016 waren es bereits  mehr als 1.000 Kunden, die „ihren“ Baum in Valencia adoptiert hatten. Diese Zahl soll sich bis heute vervielfacht haben. Unter den Kunden befinden sich Österreicher, Schweizer, Franzosen und besonders viele Deutsche.

Mittlerweile motivieren die Initiatoren zunehmend andere Landwirte, und zwar weltweit, sich dem Crowdfarming anzuschließen, um von der Welt gesehen zu werden und ihr Angebot auf die Nachfrage abstimmen zu können. Das Konzept bringt viele Vorteile, sowohl für die Bauern, als auch für die Kunden. Dank der festen Pflanz- bzw. Pflegequote verfügen die Landwirte über ein festes Einkommen und müssen nicht auf Quantität, sondern können auf Qualität setzen. Der direkte Vertriebsweg senkt die Kosten und garantiert frische Produkte. Den Kunden wird Transparenz über den Ursprung und die Behandlung ihrer Früchte garantiert. Sie werden mit einbezogen und können sogar ihre Bäume besuchen. Auf der Finca in Valencia freuen sich die Úrculo-Brüder und ihr Team über die Besuche von Kunden aus aller Welt.




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Andreas
Andreas
Gast
5. Juli 2018 12:32

Hallo,
ich bin Crowdfarmer, finde das Konzept stimmig und würde mich als regelmäßiger La Palma-Bsucher sehr freuen, ganz direkt auch Landwirte auf La Palma zu unterstützen. Vielleicht auch mal nicht als Plantage, meiner Meinung nach der einzige Nachteil im Crowdfarming-Konzept.
Vielleicht tut sich ja etwas auf La Palma!