À Coruña verlangt Stadtpalais der Cornide-Familie zurück


Der „Palacio de Cornide“ in À Coruña ist ein beliebtes Fotomotiv. Foto: zarateman

Ende der 50er-Jahre erwarb ein Franco-treuer Graf das Gebäude, um es umgehend an des Diktators Ehefrau, Carmen Polo, zu verschenken

Á Coruña – Nachdem die Enkel von Franco den Herrensitz „Pazo de Meirás“ in Galicien zum Verkauf angeboten haben, fordern die Bürger nun die Rückgabe des Stadtpalais „Palacio de Cornide“ in À Coruña. Der Stadtrat hat entsprechende Schritte beschlossen, und Bürger veranstalteten neulich ein Fest vor dem Gebäude, um mit Gaita-Klängen und Theaterschauspielern, die Franco und seine Ehefrau Carmen Polo verkörperten, friedvoll die Übertragung des Kulturgutes an das Volk zu fordern. Man befürchtet, dass den „Palacio de Cornide“ ein ähnliches Schicksal erwartet wie das des „Pazo de Meirás“, der von einer Immobilienagentur für acht Millionen Euro, wohl die Hälfte des realen Wertes, angeboten wird.

Die Initiatoren der Aktion, „Comisión Aberta en Defensa do Común“, vermuten, dass es sich bei dem Stadtpalais um eine weitere „Laune“ der Ehefrau des Diktators gehandelt habe, die über eine fragwürdige Masche das Eigentum erlangt haben soll.

Der Herrensitz wurde 1760 von der Familie Cornide eingeweiht. Die Eigentümer stifteten das Gebäude an die Gemeinde, die hier das Rathaus einrichtete. Im Jahr 1957 übertrug die Stadt das Eigentum an die Regierung. Laut dem Buch „Meirás. Un pazo. Un caudillo. Un expolio“ („Meirás. Ein Herrensitz. Ein Führer. Eine Ausbeutung“) von Carlos Babío und Manuel Pérez Lorenzo gab die Regierung das Stadtpalais an die Stadt zurück, die daraufhin eine Versteigerung organisierte, zu der nur zwei Franco-Anhänger erschienen. Darunter Pedro Barrié, Graf von Fenosa, der bereits eine entscheidende Rolle beim Erwerb des „Pazo de Meirás“ im Jahr 1938 gespielt hatte. Barrié bezahlte 305.000 Peseten und erklärte, das Eigentum unverzüglich an Carmen Polo übertragen zu wollen.

Die „Idee“, das Eigentum auf diesem indirekten Wege der Franco-Familie zu übertragen, soll laut Manuel Monge, Sprecher von „Defensa do Comnún“, vom damaligen Vizeminister für Finanzen, Juan Sánchez-Cortés, stammen, der danach zum Präsidenten von SEAT ernannt wurde. In einem Brief gab Sánchez-Cortés an, die Vorgehensweise „seiner Exzellenz“ als beste vorgetragen zu haben, denn auf diese Weise würde eine direkte Übertragung staatlichen Eigentums an den Caudillo umgangen.




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