320.000 Personen wegen Häuslicher Gewalt registriert


Die „Datenbank“ wurde 2004 ins Leben gerufen

Über 320.000 Personen sind derzeit in Spanien als Täter im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt registriert. Das sogenannte Zentralregister zum Schutz der Opfer Häuslicher Gewalt wurde 2004 von der sozialistischen Regierung ins Leben gerufen.

Madrid – Seitdem sind insgesamt 402.901 mutmaßliche Täter registriert worden – 90% davon Männer – 79.331 wurden schließlich jedoch wieder aus der Datenbank ge­löscht, weil ein Freispruch erfolgte oder ihr Verfahren endgültig eingestellt wurde.

Nicht alle, die in dieser Liste erscheinen, sind auch verurteilt. Nur etwa ein Drittel (120.732) verfügt über ein rechtskräftiges Urteil (110.000 Männer und 10.000 Frauen). Gegen weitere 11.094 der regis­trierten Personen wurde zwar bereits eine verurteilende Verfügung erlassen, die jedoch noch angefochten werden kann.

In dem Register wird jeder, der wegen häuslicher Gewalt angezeigt wurde, erfasst, ebenso wie die Daten, die das Opfer betreffen. Es verbleiben auch die Fälle in der Datenbank, deren Verfahren zwar eingestellt wurde, jedoch jeder Zeit wieder eröffnet werden kann.

Streng geheim

Das Register ist nicht öffentlich. Das heißt, nur Richter, Staatsanwälte und die Kriminalpolizei haben Zugriff auf die darin enthaltenen Daten. Damit soll erreicht werden, dass die Ermittlungsbeamten und Entscheidungsträger möglichst schnell einen Überblick über den jeweiligen Fall erhalten und sehen können, ob die betreffende Person vorbestraft ist, um so die von ihr ausgehende Gefahr besser einschätzen und das Opfer besser schützen zu können.

Seitdem das Register exis­tiert wurde ein deutlicher Anstieg der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt verzeichnet. Während es 2004 noch 58.298 Fälle waren, stieg diese Anzahl 2007 bereits auf 113.856, fast doppelt so viel in drei Jahren. Die Anzahl der Urteile in diesen Fällen ist jedoch so gut wie gleich geblieben. Zwischen 2004 und 2005 sind sie zwar um 10.000 gestiegen, seitdem liegen sie aber bei etwa 30.000 jährlich. Frauenschutzorganisationen führen dies darauf zurück, dass Richter und Staatsanwälte immer noch „übervorsichtig“ handeln, wenn es darum geht, Urteile über Taten zu fällen, die sich im engen Familienkreis abgespielt haben.

Die meisten Anzeigen wegen häuslicher Gewalt wurden in der südspanischen Region Andalusien erstattet (72.663), gefolgt von Katalonien (70.945), Madrid (55.783) und der Comunidad Valenciana (53.651).




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