Rückblick: Ausgabe vom 3. Februar 1989


Zum Ende der Achtzigerjahre war der Bauboom auf Teneriffa voll im Gang. Überall schossen Hotel- und Apartmentanlagen aus dem Boden, und eine Bananenplantage nach der anderen verwandelte sich in eine Urbanisation oder Ferienanlage. Der Spekulation waren Tür und Tor geöffnet, und der Massentourismus überrollte die Kanarischen Inseln, insbesondere Teneriffa und Gran Canaria. Diese Entwicklung löste sogar Besorgnis bei der Madrider Regierung aus, die das ungebremste Wachstum des touristischen Angebots als überzogen bezeichnete und einen Qualitätsverlust befürchtete. Das angestrebte Ziel, den Tourismus des gehobenen Niveaus auf die Inseln zu bringen, könne auf diese Weise nicht erreicht werde, hatte damals ein Staatssekretär befürchtet, der die Insel besuchte, um sich vor Ort über die Lage zu informieren. Wie man bereits wenige Jahre später feststellen konnte, hat der Politiker recht behalten. Dier vielzitierte Qualitätstourismus zog sich zurück, und es zählten nur noch die Besucherrekorde, um die Hotels und Ferienunterkünfte zu füllen.

In unserer Ausgabe vom 3. Februar 1989 berichteten wir über den Besuch des Staatssekretärs für Tourismus, der, besorgt über die wachsende Bettenkapazität auf der Insel nach Mitteln und Wegen suchte, um den Bauboom zu stoppen. Notfalls, so erklärte er, könne der Staat die Kredite sperren, und er ermahnte die Gemeindeverwaltungen, rigoroser bei der Vergabe von Baulizenzen vorzugehen.

Die Nachricht: Der Staatssekretär für Tourismus bezeichnet das Wachstum des touristischen Angebots als überzogen

Der Staatssekretär im Ministerium für Transport und Tourismus, Ignacio Fuejo Lago, besuchte Teneriffa und La Gomera, um sich persönlich über die Situation auf dem Tourismussektor und über die Perspektiven für das eben begonnene Jahr zu informieren, „…denn es hat sich eine gewisse Alarmstimmung breitgemacht“.

„Die Situation“, so Fuejo, „ist nach unserer globalen Bilanz weiterhin gut. Unsere Einnahmen aus dem Tourismus betrugen im vergangenen Jahr mehr al 17 Milliarden US-Dollar, da kann man nicht von Krise reden“. Hier könne man allerdings nicht wie in den letzten Jahren weitermachen, wo ein überzogenes Wachstum des touristischen Angebots zu verzeichnen war, das nicht immer für das angestrebte Ziel, Tourismus des gehobenen Niveaus auf die Insel zu holen, der richtige Weg sei. „Wenn wir keine Qualität bieten, können wir keinen Qualitätstourismus erwarten. Wir wachsen immer weiter, können aber zwangsläufig nur den sogenannten Billigmarkt interessieren. Wenn wir die Fehler korrigieren, werden wir weiter die Nummer eins bleiben, was für unsere Volkswirtschaft von grundlegender Bedeutung ist.“ Obgleich der Einfluss seines Ministeriums auf die überhitzte Baukonjunk-

tur nicht allzu groß sei, werde er notfalls die  touristischen Kredite sperren, um eine Bremswirkung zu erzielen. „Doch wenn wir die Kredite sperren, werden sie von den Privatbanken gewährt. Allerdings ist es inzwischen die Aufgabe der autonomen Verwaltung, die touristische Entwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken, da sie jetzt über die entsprechenden Kompetenzen verfügt“, erklärte er wörtlich.

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