Präsident Pedro Sánchez in Davos


Pedro Sánchez sprach am 23. Januar zu der internationalen Wirtschaftselite. Foto: EFE

Neun Jahre hatte kein spanischer Staatsmann an dem Weltwirtschaftsgipfel teilgenommen

Davos – Nachdem erstmalig seit neun Jahren wieder ein spanischer Regierungschef für das jährliche Treffen in Davos, dem Herzstück des wirtschaftlichen Liberalismus, seine Teilnahme angekündigt hatte, wurde allgemein erwartet, Sánchez richte sich mit seiner Rede an die Investoren und Vertreter großer Unternehmen. Doch der spanische Präsident nutzte die Gelegenheit, um die mangelhafte Bewältigung der Krise zu kriti­sieren, die eine nicht akzeptable Ungleichheit bewirkt habe. Das sei nach seiner Ansicht der Grund für den Aufstieg der Populisten, der nun alle beunruhige, eingeschlossen die Protagonisten des Gipfels in Davos.

Für Sánchez, weitgehend unbekannt in der Welt der internationalen Großunternehmen, der durch einen Misstrauensantrag an die Macht gekommen ist und lediglich über 85 der insgesamt 350 Abgeordneten im Spanischen Parlament verfügt, war das ein wichtiges Szenario. Er hatte seine Redezeit im Plenum mit den wichtigen europäischen Politikern erhalten, direkt nach dem Präsidenten von Italien. Und er musste sich seinen Auftritt mit niemandem teilen, wie vor neun Jahren José Luis Zapatero, der erste spanische Ministerpräsident überhaupt, der dieses Forum besuchte.

Sánchez sprach in flüssigem Englisch, was bei seinen Vorgängern niemals der Fall war. Doch er hielt seine Rede nicht, um in Davos zu gefallen. Vielleicht war das bei persönlichen Gesprächen mit den Vertretern weltbekannter Unternehmen wie Microsoft, Facebook, Amazon, IBM oder Booking der Fall, wo er sich von seiner freundlichsten Seite zeigte.

Der zentrale Tenor seiner Rede war die Verteidigung einer progressistischen Politik, um die Krise hinter sich zu lassen, das einzige wirksame Mittel gegen den Populismus.

„Die Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sie muss im Dienst der Menschen stehen. Die Ungleichheiten zerstören unsere Gesellschaften. Der Populismus ist der schärfste Gegner unserer Demokratie. Ich bin nicht der Ansicht, dass sich die fortschrittliche Politik in der Krise befindet. Was Geschichte sein sollte, ist das Protektions-Modell und das Modell des Neo-Liberalismus, die eine feindselige Welt für alle schaffen, die nicht zur Elite gehören.“

In der ersten Reihe der Zuhörer saßen die Vertreter der wichtigsten spanischen Unternehmen wie Iberdrola, Repsol, Damm, BBVA oder Ferrovial.

„Endlich haben wir einen Präsidenten, der nach Davos reist und der auch perfekt Englisch spricht“, ließ der Vertreter von Acciona wissen.

Für Spanien hatte sich die Szene in der Europäischen Union und in Davos seit jenem 27. Januar 2010 gewaltig geändert. Niemand im Moncloa-Palast, mit José Luis Zapatero an der Spitze, hat das Fiasko vergessen. Der damalige Präsident war mit der Absicht nach Davos gereist, das Gerücht zu zerstreuen, dass Spa­nien von der EU „gerettet“ werden müsse, …. denn die wirtschaftliche Situation sei nicht so kritisch, wie sie dargestellt werde, versuchte er mögliche Investoren zu überzeugen. Er hatte aber keinen Platz unter den wichtigen Staatsführern bekommen, sondern saß an an einem Tisch mit Giorgos Papandreu, dem griechischen Präsidenten, dessen Land bereits unter den „Rettungsschirm“ musste und neben Valtis Zatler, Präsident Lettlands, das ebenfalls von einer schweren Wirtschaftskrise erschüttert wurde. Das erweckte natürlich den Eindruck, dass Spanien sich ebenfalls in einer schweren Krise befand. Als dann bei der Rede Zapateros auch noch die Simultan-Übersetzungsanlage ausfiel, war die Katastrophe komplett.

Da hat Sánchez ein komplett anderes Ambiente vorgefunden, als er nach neun Jahren wieder als Vertreter Spaniens in Davos auftrat.





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