Real Academia Española in der Krise


Fassade der Real Academia Española in Madrid. Foto: WB

Die Königlich Spanische Akademie für Sprache erhält eine Finanzspritze von der Regierung in Höhe von 5 Mio. Euro

Madrid – Die Königlich Spanische Akademie für Sprache, Real Academia Española (RAE), wurde 1713 unter der Herrschaft von Philipp IV. gegründet. Seitdem ist sie die maßgebliche Institution zur Pflege der spanischen Sprache.

Urheber der Idee war damals Juan Manuel Pacheco Zuñiga, Marquis von Villena. Er stammte aus einer spanischen Adelsfamilie und war Vertrauensperson des damaligen Herrschers. Der Marquis galt als eine der gebildetsten Personen. In seinem Haus unterhielt er eine eigene Bibliothek, hier trafen sich regelmäßig wichtige Persönlichkeiten der Epoche: Hebräisch- und Grammatiklehrer der Universität Salamanca, Prüfer der Inquisition und die Bibliothekare des Königs. Aus diesen Gesprächsrunden entstand 1713 nach französischem und italienischem Vorbild die Institution zur Pflege der spanischen Sprache.

Der Marquis von Villena wurde zum ersten Leiter der RAE ernannt. 1726, ein Jahr nach seinem Tod, veröffentlichte die Königlich Spanische Akademie für Sprache das erste Wörterbuch. Bis 2014 sind 23 Ausgaben erschienen. Mit der 22. Ausgabe gab es erstmals die Möglichkeit, das Nachschlagewerk online abzurufen. Seit 1894 hat die Akademie ihren Sitz in Madrid.

Allein die über 500 Millionen spanischsprechenden Menschen weltweit sind ein guter Grund, die Sprachakademie zu erhalten und ihre Projekte zu finanzieren. „Die Königlich Spanische Akademie ist Staatsangelegenheit“, meint Santiago Muñoz Machado, der vor drei Monaten neu ernannte Direktor.

Santiago Muñoz Machado. Foto: EFE

Seit einigen Jahren leidet die Institution unter finanziellen Engpässen. In Zeiten der Regierung der Partido Popular wurde der staatliche Zuschuss für die Akademie von vier auf 1,5 Millionen Euro gekürzt. Auch der Rückgang der Verkäufe von Wörterbüchern nach Erscheinen der Online-Ausgabe hat die Einnahmen bedeutend verringert.

Für 2019 rechnet die RAE mit Ausgaben in Höhe von acht Millionen Euro. In dieser Summe enthalten sind auch die Gehälter der 85 Mitarbeiter – Lexikografen, Philologen sowie das Verwaltungspersonal.

Das Mäzenatentum bedeutet eine wichtige Unterstützung für die Akademie, die von verschiedenen Stiftungen gefördert wird. So unterstützt das Sozialwerk von La Caixa die Online-Ausgabe des Wörterbuches mit jährlich 700.000 Euro. Eine lohnende Investition, wenn man bedenkt, dass 2019 voraussichtlich eine Milliarde Menschen das Lexikon einsehen werden. Andere Mäzene sind Inditex, Telefónica und die Banco de Santander.

In einem Abkommen, das vom amtierenden Minister für Wissenschaft, Innovation und Universitäten, Pedro Duque, unterzeichnet wurde, verpflichtet sich die Regierung angesichts der Bedeutung der Akademie für die Allgemeinheit und die 500 Millionen Menschen, die sie in aller Welt nutzen, zu einer finanziellen Unterstützung der RAE mit fünf Millionen Euro im laufenden Jahr.

Auch wenn eine angemessene Finanzierung der Bildungsstätte grundlegend ist, legt Direktor Santiago Muñoz Machado den Schwerpunkt seiner Arbeit darauf, dass der Akademie die Relevanz zuerkannt wird, die sie in der Gegenwart hat.

Ihre Arbeit wird mit 24 Akademien lateinamerikanischer Länder koordiniert. Die spanische Bildungsanstalt präsidiert die 1951 in Mexiko gegründete Vereinigung der Akademien spanischer Sprache, ASALE (Asociación de la Lengua Española).

Der weltweite Beitrag der Real Academia Española für die Pflege der spanischen Sprache als Gemeingut sollte ein guter Grund für die Förderung und angemessene Finanzierung der Institution sein.




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