Wolfgang Kiessling verliert langsam die Lust

Wolfgang Kiessling ist mit seinem Loro Parque seit 48 Jahren erfolgreich. Foto: efe

Seit Jahren wartet der Unternehmer vergeblich auf die Lizenz für den Baustart des Siam Park im Süden Gran Canarias

Teneriffa/Gran Canaria – Loro Parque-Gründer und Präsident Wolfgang Kiessling ist es offenbar langsam leid, dass ihm für sein Projekt eines Wasserparks im Süden von Gran Canaria immer mehr Hürden aufgebaut werden. In einem Interview, das die Nachrichtenagentur EFE zu Jahresbeginn mit ihm führte, räumte Kiessling ein, dass er ein wenig die Lust an dem Projekt verloren habe.
Seit dem Jahr 2014 verfügt Kiesslings Unternehmen über die Grundstücke im Gebiet von El Veril, angrenzend an das Urlaubszentrum Playa del Inglés und mit guter Verkehrsanbindung. Hier soll nach dem Vorbild des Siam Park auf Teneriffa ein Wasservergnügungspark entstehen. Seit 2017 wartet der deutsche Unternehmer nun auf die Lizenz für den Bau. Bislang vergeblich.
Im Gespräch mit EFE zeigte sich Wolfgang Kiessling angesichts des Stillstands des Projektes frustriert. „Worte hier, Worte da, aber tatsächlich wissen wir nichts“, sagte Kiessling zum aktuellen Stand der Verhandlungen um die Lizenz. Er fühle sich ungerecht behandelt fügte er hinzu, und momentan liefen die Dinge „in keine Richtung“, denn die Lizenz fehle weiterhin, obwohl sein Unternehmen die Auflage der Kanalisation des Barrancos längst erfüllt habe. Nun verhindern technische und juristische Schwierigkeiten die Lizenzerteilung weiter.
Einer der Haken bei den Verhandlungen ist, dass der spanische Staat über das Finanzministerium Ansprüche stellt. Ein Teil des Geländes im Barranco El Veril ist öffentlicher Grund und Boden, und das Ministerium verlangt für die Nutzung 14,3 Millionen Euro.
Das Baugelände, auf dem der Wasserpark auf Gran Canaria gebaut werden soll, umfasst mehr als 180.000 Quadratmeter. Wolfgang Kiesslings Unternehmensgruppe hat für den Bau eine Investition von mehr als 100 Millionen Euro in zwei Jahren vorgesehen. Die jährliche Besucherzahl soll über eine Million Personen betragen.
Obwohl die Pläne für den Siam Park in San Bartolomé de Tirajana zu einem „Projekt von öffentlichem Interesse“ erklärt wurden und auch die Regionalregierung zu den Befürwortern zählt, ist die Umsetzung weiter ungewiss.

Makaronesien sollte zum Schutzgebiet für Meeressäuger erklärt werden

Im Interview mit EFE äußerte sich Wolfgang Kiessling auch zum Klimanotstand und zu Schutzmaßnahmen für die Fauna des Planeten. Seiner Meinung nach sollte das Meeresgebiet von Makaronesien zu einem Schutzgebiet für Meeressäuger erklärt werden. Seit 1988 fordere er die Schaffung dieses Schutzgebiets, „was weder den Fischern schaden würde, noch irgendeiner Regierung“. Er sei davon überzeugt, dass auch Nachbarländer wie Marokko am Schutz der Gewässer der fünf Inselgruppen Makaronesiens (Kanaren, Azoren, Madeira, Kapverden und Selvagens Inseln) interessiert wären.
Kiessling, dem der Natur- und Artenschutz am Herzen liegt, und der Zoos in der heutigen Zeit als „Botschaften der Tiere“ ansieht, malt die Zukunft infolge des Klimawandels schwarz. Noch vor 100 Jahren habe es mit zwei Milliarden Menschen auf der Erde noch zehn Millionen Elefanten gegeben, mahnte er und fährt fort: „Heute gibt es noch 350.000 Elefanten und jeden Tag werden Hundert getötet.“ Wenn dies so weiter gehe, werde es in zehn Jahren keine Elefanten mehr geben. Ähnlich ergehe es auch den Löwen und Tigern. Obwohl sie sich gut fortpflanzen, ist ihre Population in freier Wildbahn bis auf 25.000 Exemplare zurückgegangen.
Kiessling wies außerdem darauf hin, dass die Millionen von Tieren, die bei den verheerenden Buschbränden in Australien ums Leben gekommen sind, nicht die einzigen sind und erinnerte daran, dass auch bei Bränden in Afrika und Südamerika Lebensräume zerstört werden und Tiere sterben. „Der Klimawandel wird kaum zu korrigieren sein“, bedauert der 82-Jährige. Er habe kein Verständnis für Aktivisten, die gegen Zoos protestieren, wo diese doch Wildtiere schützen und dazu beitragen, Arten vor dem Aussterben zu retten. „Wenn es Zoos nicht gäbe, müssten sie dringend erfunden werden“, stellte Kiessling fest. Seinen seit 48 Jahren erfolgreichen und seinerzeit als reiner Papageienpark gegründeten Loro Parque sehe er als Botschaft der Tiere.
Auf die Frage nach neuen Projekten für 2020 kündigte Kiessling die Schaffung von jeweils 400 neuen Parkplätzen für den Loro Parque und den Siam Park sowie eine Windkraftanlage der 4-MW-Klasse auf Gran Canaria an. Zusammen mit den Windkraftanlagen auf Teneriffa werde sein Unternehmen dann mehr Strom aus erneuerbaren Quellen produzieren als es verbraucht.

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