„Wir sind keine Sklaven“


Foto: sindicalistas de base

Zimmermädchen demonstrieren gegen prekäre Arbeitsbedingungen

Kanarische Inseln – Ohne sie geht im Hotelgewerbe gar nichts. Sie sind 365 Tage im Jahr im Einsatz und wechseln sich im Schichtbetrieb ab, damit Gäste alles picobello vorfinden. Die Lorbeeren für das Ergebnis ihrer Arbeit beansprucht das Hotel für sich, während die Leistung derer, die die Arbeit erledigen, kaum gewürdigt und nur mäßig entlohnt wird. Zimmermädchen fühlen sich im Hotelgewerbe schon lange ausgebeutet. Auch auf den Kanarischen Inseln klagt die Berufsgruppe über miserable Arbeitsbedingungen. Bereits im Juni kündigten die Gewerkschaft „Sindicalistas de Base“ und die „Kellys Unión“ Streiks und Demos an, um auf die Lage der „Kellys“, wie die Zimmermädchen in Spanien genannt werden, aufmerksam zu machen. Der Name „Kelly“ leitet sich aus dem Spanischen von der Bezeichnung „die, die putzen“ (las que limpian) ab.

Nun sind die Kellys endgültig auf die Barrikaden gegangen. Ende August fanden Demonstrationen auf Teneriffa, Gran Canaria und Fuerteventura statt, mit denen die Zimmermädchen auf sich aufmerksam machten. Parallel fanden auch in Touristenorten auf dem spanischen Festland Kundgebungen statt.

Ende August fanden Demonstrationen in mehreren Urlaubsorten Spaniens statt, darunter auch Los Cristianos (Foto). Foto: Sindicalistas de base

„Heute gehen wir auf die Straße, um zu erzählen, wie uns diese Luxushotels behandeln“, sagte eine der Demonstrantinnen in Los Cristianos auf Teneriffa. In ihren Schilderungen geht es um schmerzende Hände und Rücken, tägliche Schmerzmitteleinnahme und Stress. Um das tägliche Arbeitspensum zu bewältigen, seien sie gezwungen, auf Essen und manchmal sogar auf Trinken zu verzichten, erzählt eine Kollegin, denn wer während der Arbeitszeit auf die Toilette geht, verliert Zeit und schafft die vorgegebene Zimmerzahl nicht. „Wir putzen zwischen 20 und 25 Zimmer mit über 35 Quadratmetern täglich und haben dafür fünf bis sechs Stunden Zeit“, erzählt eine andere „Kelly“. Außerdem sind die Gemeinschaftsbereiche, Toiletten, Lobby etc. zu putzen, wofür weitere eine bis anderthalb Stunden nötig sind. Hinzu kommen die An- bzw. Abreisen. Viele Gäste kommen nur für drei bis vier Tage. Danach muss das Zimmer so gründlich geputzt werden, dass der nächste Gast es einwandfrei vorfindet. Bei der Anzahl der zugeteilten Zimmer wird meist nicht unterschieden, ob es sich um eine tägliche Standardreinigung handelt oder eine Abreise. Für die Reinigungskräfte ist der Zeitdruck enorm.

Für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen fordern die Zimmermädchen die Verringerung der täglich zu putzenden Zimmerzahl, das Ende der Anstellungen über Zeitarbeits- oder externe Reinigungsfirmen – was eine Festanstellung ausschließt und den Verdienst erheblich verringert – und die Rente mit 60. Außerdem ist ihnen die Anerkennung häufiger berufsbedingter Krankheiten wie chronische Rückenschmerzen, Ischias und Hernien als Berufskrankheiten wichtig. Eine Betroffene berichtet, dass Epicondylitis, auch bekannt als Tennisarm, zwar als Berufskrankeit anerkannt sei, es jedoch immer noch schwer sei, dieses Leiden von der Berufsgenossenschaft als Folge der Arbeit bescheinigt zu bekommen.

Die Zimmermädchen fordern auch häufigere Inspektionen, um prekäre Arbeitsverhältnisse und unzulässige Arbeitsbedingungen aufzudecken und entsprechend zu bestrafen. Auch finden sie, dass die Arbeitsbedingungen als Kriterium auf die Hotelklassifizierung bzw. Sterne-Vergabe Einfluss haben sollten.

Bei den Kundgebungen hielten die Kellys Schilder hoch, auf denen unter anderem Forderungen standen wie „Wir wollen unsere Rente gesund genießen können“ und „Wir sind keine Sklaven“.

Trotz der Hitze schlossen sich zahlreiche Unterstützer den Demonstrationen an. In Los Cristianos wurden die Demonstranten am 25. August von Bürgermeister José Julián Mena unterstützt, der sich ihnen anschloss. Es sei notwendig, die Forderungen der Zimmermädchen anzuhören und einen Kompromiss zu finden, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern, erklärte Mena und fügte hinzu, dass auch die Reinigungskräfte einen Beitrag für den Wohlstand in Gemeinden wie Arona gleistet hätten.

Berufskrankheiten werden anerkannt

Unmittelbar vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe teilte die kanarische Regierung in dieser Angelegenheit mit, dass der spanische Staat auf der Grundlage eines von den Kanaren und den Balearen gemeinsam ausgearbeiteten Dokuments beschlossen hat, bestimmte Leiden als Berufskrankheiten der Zimmermädchen anzuerkennen. Dazu zählen das Karpaltunnelsyndrom und solche Krankheiten, die durch übermäßige Belastung aufgrund sich ständig wiederholender Bewegungen verursacht werden. Ein kleiner Etappensieg für die Zimmermädchen.




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