Timeshare-Betrüger nach 17 Jahren vor Gericht


Die Angeklagten im Gerichtssaal. Foto: EFE

Die Gruppe um „Goldfinger“ John Palmer muss sich vor der Audiencia Nacional verantworten

Kanarische Inseln/Madrid – In Madrid stehen derzeit verschiedene Mitglieder einer kriminellen Vereinigung vor einem Tribunal des Nationalen Gerichtshofes (Audiencia Nacional), die im Jahre 2002 auf den Kanaren zerschlagen wur­de. Kopf der Gruppe war der Brite John Palmer, auch als „Goldfinger“ bekannt. Er galt als einer der Köpfe des Goldraubs von 1983 am Flughafen London-Heathrow, bei dem 3,5 Tonnen an Gold und Diamanten gestohlen wurden. Die Beteiligung daran konnte ihm jedoch nie nachgewiesen werden. Palmer wurde im Juni 2015 im Alter von 64 Jahren in seinem Haus in Brentwood, Essex, erschossen. Der Mörder wurde nicht gefasst.

Auf den Kanaren betrieb John Palmer in den Jahren 1993 bis 2002 eine betrügerische Timesharing-Organisation, die an Touristen mit Drückermethoden Ferienwohnrechte in kanarischen Immobilien verkaufte, welche zum Teil gar nicht existierten. Neun Mitgliedern der Organisation wurde nun, 17 Jahre danach, der Prozess gemacht. Die Anklage spricht von 205 Opfern, die durch das Timeshare-Betrugsnetzwerk geschädigt wurden.

Die Staatsanwaltschaft fordert Geldstrafen von insgesamt zwei Millionen Euro und Haftstrafen zwischen acht und zwölf Jahren wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Betrug sowie in einigen Fällen wegen illegalen Waffenbesitzes.

Die Angeklagten sind: Richard Cashman, die rechte Hand von John Palmer, Keith Peter Davies, der die Organisation auf Gran Canaria leitete, Dean Lawrence Wells, Darren John Morris, Paul John Murray, Cristina Ketley, Ramón Solano Pérez, Jorge Maximiliano Gallart, Neil Campbell und Jacoba Klazina.

Im Verlauf der Verhandlungen haben mehrere der Angeklagten den als „Statthalter“ Palmers eingestuften Richard Cashman entlastet und ausgesagt, der verstorbene John Palmer habe alle wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen und die alleinige Befehlsgewalt innegehabt. Für Cashman fordert die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zehn Jahren.

Acht Jahre Haft sind für Jacoba Klazina Visscher gefordert, die damals Eigentümerin des Hotels La Pinta auf Teneriffa und Timeshare-Verkäuferin war. Sie hat zugegeben, Kunden betrogen zu haben und sich verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen.

Ein Verwandter Palmers, Darren John Morris, dem zwölf Jahre Haft drohen, hatte eine Unterschriftsberechtigung, um für Palmer Dokumente unterzeichnen zu können, wenn dieser sich außerhalb Spaniens aufhielt. Er gibt an, den Inhalt der Papiere nicht gekannt zu haben.

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