„Sklavenschiff“ dreht ab


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Spanische Luftwaffe zwingt Flüchtlingsfrachter zur Kursänderung . An Bord sollen bis zu 500 illegale Immigranten aus Schwarzafrika sein

Der Regierungsdelegierte auf den Kanaren, José Segura, kündigte es bereits vor Wochen an. In einem Interview bezeichnete er die Immigrationswelle, die in den vergangenen Monaten die Kanaren überrollt hat als „humanitäres Phänomen kolossaler Ausmaße“, und mutmaßte, dass demnächst größere Schiffe mit mehr Flüchtlingen auf den Kanaren eintreffen werden.

Nachdem sich die Lage an den Inselküsten in den letzten zwei Wochen scheinbar entspannt hatte und dank der Zusammenarbeit mit den mauretanischen und marokkanischen Behörden der Flüchtlingsstrom der Fischerboote in Richtung Kanaren gebremst werden konnte, rollt nun eine neue Lawine auf die Inseln zu: so genannte „Sklavenschiffe“ – Frachter, die hunderte von Menschen an Bord haben, nehmen offensichtlich Kurs auf die Inseln.

Am 31. März wurde die Regierung vom spanischen Geheimdienst darüber informiert, dass sich ein Flüchtlingsschiff in Richtung Kanaren bewegt. In den ersten Apriltagen erhielten die spanische Marine und die Küstenwache das Kommando, nach einem vermeintlichen „Sklavenschiff“ Ausschau zu halten, das angeblich Kurs auf die Kanaren genommen hatte und bis zu 500 Flüchtlinge an Bord haben soll.

Hunderte Menschen und

mehrere Boote an Deck

Dass dieses „Geisterschiff“ tatsächlich zwischen der westafrikanischen Küste und den Kanarischen Inseln unterwegs ist, wurde kurze Zeit später von der spanischen Luftwaffe bestätigt, die ein Aufklärungsflugzeug losgeschickt hatte.

Der Pilot überflog den Frachter mehrmals und konnte an Deck hunderte von Menschen und mehrere Boote ausmachen.

Nachdem auch die spanische Marine versuchte, Kontakt mit dem Frachter aufzunehmen und der Kapitän sich ganz offensichtlich entdeckt fühlte, drehte das Schiff um 180 Grad und nahm Kurs nach Süden.

Das spanische Verteidigungsministerium lässt das Schiff nun weiter überwachen, um zu verhindern, dass es erneut in die Nähe der Kanarischen Inseln gelangt. Für den Fall, dass dies doch geschehen sollte, befinden sich eine Korvette und ein Patrouillenboot der spanischen Marine etwa 200 Meilen vor der Kanarischen Küste im Einsatz, um humanitäre Hilfe leisten zu können.

Wenn sich der Flüchtlingsfrachter nun weiter auf hoher See aufhält, ist das Schicksal der Menschen an Bord mehr als ungewiss. Wie viel Trinkwasser haben sie an Bord, wie viel Lebensmittel dabei? Ganz zu schweigen von den hygienischen und sanitären Verhältnissen.

„Sklavenschiffe“

im 21. Jahrhundert

Der Ausdruck „Sklavenschiff“, der in den spanischen Medien immer wieder auftaucht, um die Schiffe zu bezeichnen, die massenweise illegale Immigranten aus Schwarzafrika in Richtung Europa schippern, mag erschreckend klingen. Doch viel erschreckender ist die Realität auf diesen Schiffen.

In den letzten Jahren haben die Menschenmafias immer wieder hunderte von verzweifelten Menschen in ihre Fänge gelockt und in den Frachträumen der Schiffe eingepfercht. Mindestens vier solcher Schiffe versuchten in den letzten zwölf Monaten, die kanarische Küste zu erreichen.




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