Residentenrabatt für Festlandsflüge soll auch auf 75% angehoben werden


Voraussichtlich werden Residenten für Flüge zum Festland ab Juni nur noch die Hälfte bezahlen. Derzeit verbinden sieben Airlines den Archipel mit dem spanischen Festland: Iberia Express, Vueling, AirEuropa, Binter, Air Nostrum, Norwegian und Volotea. Foto: iberia express

Bei Verabschiedung des Haushaltsentwurfes Ende Juni werden die Ticketpreise für Festlandsflüge und -fähren um weitere 25% gesenkt

Kanarische Inseln/Madrid – Als vor knapp einem Jahr der Residentenrabatt für Flüge und Fährverbindungen zwischen den Inseln von 50% auf 75% erhöht wurde, war das vor allem dem einzigen Abgeordneten von Nueva Canarias (NC) im Abgeordnetenhaus, Pedro Quevedo, zu verdanken. Seine Stimme war für die in der Minderheit regierende Partido Popular das sprichwörtliche Zünglein an der Waage, um den Staatshaushalt zu beschließen. Nun, ein Jahr später, muss erneut der Haushaltsplan beschlossen werden. Dieses Mal wurde darin ein Posten aufgenommen, der die Anhebung des Residentenrabattes auf 75% auch bei Flügen und Fährverbindungen von den Kanarischen Inseln bzw. den Balearen, Ceuta und Melilla zum Festland erlaubt. Darüber hinaus handelte NC-Präsident Román Rodríguez mit der Regierung aus, den angehobenen Residentenrabatt für Festlandsflüge in der Reform des Autonomen Finanzsystems der Kanaren (REF) zu verankern, sodass dieser unabhängig von einem Regierungswechsel oder einem neuen Staatshaushalt aufrechterhalten wird. Da die PP erneut nur mit der Unterstützung von Pedro Quevedo den Staatshaushalt für dieses Jahr bei der Abstimmung am 19. Juni unter Dach und Fach bringen kann, stehen die Zeichen gut, dass bereits im Sommer die Tickets für Festlandsflüge nur noch die Hälfte ihrer bisherigen Höhe kosten. Damit würden die Inseln dem spanischen Festland wieder ein Stückchen näherrücken. Es wäre dann mit einem erheblichen Anstieg der Passagierzahlen zu rechnen.

Mehr Nachfrage, mehr Angebot

Bei einem Treffen von Regionalpräsident Fernando Clavijo mit Vertretern der Fluggesellschaften, die die Kanarischen Inseln mit dem Festland verbinden (Iberia Express, Vueling, AirEuropa, Binter, Air Nostrum, Norwegian, Volotea), wurde die zu erwartende Entwicklung erörtert. Die Vertreter der Airlines stimmten überein, dass aufgrund der günstigeren Preise ein Anstieg der Nachfrage zu erwarten sei, sodass die Fluggesellschaften auch ihr Angebot an Frequenzen und Routen ausbauen würden.

Laut Clavijo würden in diesem Jahr mit 4,8 Millionen über 12% mehr Sitzplätze auf Flügen zwischen dem Archipel und dem Festland angeboten und der Höchststand von 2008 nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Derzeit gibt es 417 Flüge wöchentlich zwischen den Kanaren und dem Festland, allein 216 von oder nach Madrid. Die Kanaren werden mit 156 Zielen über 876 Routen von 90 Airlines verbunden, das sind 20% mehr als noch vor vier Jahren.

Wettbewerb wird Preise weiter drücken

Die kanarischen Politiker wollen die Zentralregierung in Madrid bewegen, sich bei der EU dafür stark zu machen, die Flüge zwischen dem Archipel und dem Festland für Gemeinwirtschaftliche Leistungen im Personenverkehr zu erklären, um zu verhindern, dass die Airlines die Preise erhöhen und die Anhebung des Residentenrabatts für sich nutzen. Fernando Clavijo fürchtet, die Festlandsspanier würden abgeschreckt, die keinen Residentenrabatt für sich in Anspruch nehmen können, und die Erholung des nationalen Tourismus abgebremst. Allerdings wurde die Möglichkeit einer entsprechenden Deklaration bei einem Sondierungsgespräch in Brüssel bereits ausgeschlossen. Immerhin verbinden sieben Airlines den Archipel mit dem Festland, die Absicherung einer entsprechenden Verkehrsverbindung – Sinn und Zweck der entsprechenden Deklaration – wäre also nicht nötig.

Gemäß einer Erklärung von Román Rodríguez wird zudem das Kartellamt darüber wachen, dass die Airlines die Preise nicht zu stark steigern. Ein Übriges wird der freie Wettbewerb erledigen. Angesichts steigender Nachfrage werden voraussichtlich neue Airlines in den Markt einsteigen und der Wettbewerb die Preise weiter senken, das käme wiederum den Festlandsspaniern zugute.

Für 30 Euro Festland und zurück

Ersten Berechnungen des Dachverbandes der Reisebüros (CEAV) zufolge, könnten Hin- und Rückflug Kanaren-Festland unter 30 Euro zu buchen sein. Der Verband wies jedoch darauf hin, dass die Preise auch von anderen Faktoren wie der jeweiligen Fluggesellschaft, der Uhrzeit, der Saison, etwaigen Zwischenlandungen oder dem Reservierungszeitraum abhängig seien.

Die lokale Presse nahm das Rechenbeispiel des CEAV auf und prophezeite, in Zukunft werde es billiger sein, auf das Festland zu fliegen, als auf eine andere Kanareninsel.

Abkommen zwischen Rajoy und Rodríguez

Am 19. Mai unterzeichneten Spaniens Präsident Mariano Rajoy und NC-Parteipräsident Román Rodríguez zudem ein Abkommen im Sitz der Zentralregierung in Las Palmas, um die getroffenen Vereinbarungen zu besiegeln.

Rajoy konnte sich bei dieser Gelegenheit die Stimme von Pedro Quevedo für die Abstimmung über den Staatshaushalt sichern, während Nueva Canarias die schriftliche Bestätigung für die Anhebung des Residentenrabattes auf 75% für Flüge und Fährreisen zum und vom Festland erhalten hat. Ebenfalls dessen Verankerung im Autonomen Finanzsystem der Kanaren (REF), die Reform der Regionalverfassung sowie des Wahlsystems der Region und einen Posten von 329 Millionen Euro zur Bekämpfung der Armut auf den Kanarischen Inseln.




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