Präsident im Ferien-Modus


Beamte der Guardia Civil vor dem Eingangstor von „La Mareta“. Foto: EFE

Pedro Sánchez verbrachte einen einwöchigen Urlaub in der königlichen Residenz „La Mareta“ auf Lanzarote

Lanzarote – Präsident Pedro Sánchez verbrachte die Tage rund um den Jahreswechsel, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, auf Lanzarote. Eine Woche lang war der Regierungschef praktisch nicht erreichbar. Auch Gesprächsanfragen des Regionalpräsidenten Fernando Clavijo und des Cabildo-Präsidenten Pedro San Ginés, beantwortete er nicht. In seinem Urlaub schienen ihn auch die Äußerungen seiner Kritiker nicht zu stören, die ihm die Nutzung staatlichen Eigentums zu Privatzwecken vorwarfen. Auch auf die Proteste der Angestellten der Inselgefängnisses Tahíche vor seiner Urlaubsresidenz, die bessere Bezahlung und mehr Personal forderten, reagierte er nicht. Ebenso blieben die Klagen der Beamten der Guardia Civil, die für seinen Schutz zuständig waren, unbeachtet.

Pedro Sánchez war am 29. Dezember mit Ehefrau Begoña Gómez, den beiden Töchtern und Familienhund Turca mit einer Falcon-Maschine der spanischen Streitkräfte nach Lanzarote geflogen. In einem Kleinbus und eskortiert von drei Fahrzeugen wurden der Präsident und seine Familie zur Residenz nach Costa Teguise gebracht, die von der staatlichen Behörde für Nationales Kulturgut verwaltet wird.

„La Mareta“ ließ König Hussein von Jordanien Ende der 70er-Jahre nach einem Entwurf des kanarischen Künstlers César Manrique und des Architekten Fernando Higueras bauen. 1989 machte der jordanische König die Residenz König Juan Carlos I. zum Geschenk, der „La Mareta“ als Nationales Kulturgut an den Staat übereignete. Lange Zeit diente die Villa der Königsfamilie als Urlaubsresidenz. Eine Reihe von illustren Gästen hat schon in „La Mareta“ Urlaubstage verbracht, wie Helmut Kohl, Michail Gorbatschow, Gerhard Schröder, Václav Havel, José María Aznar und sogar mehrmals der Ex-Präsident José Luis Rodríguez Zapatero, der inzwischen Eigentum auf seiner Lieblingsinsel erworben hat. Der Gebäudekomplex besteht aus mehreren Bungalows und Pools, darunter auch ein Meerwasserschwimmbad, verfügt über weitläufige Gärten, einen Tennis- und einen Basketballplatz und liegt direkt am Meer.

Wie bereits eingangs erwähnt, schottete Sánchez sich und seine Familie weitgehend ab. Der Präsident wurde nur wenige Male von den Kameras der wartenden Reporter erhascht, als er in einem Fahrzeug zum Joggen gebracht wurde, oder ein kurzes Bad im Meeresschwimmbecken von „La Mareta“ nahm. Von Beamten der Guardia Civil und der Leibwache des Präsidenten wurde die Anlage streng bewacht.

Regionalpräsident Fernando Clavijo hatte nach Meldungen der der Kanarischen Koalition nahestehenden Regionalpresse vergeblich um ein kurzes Treffen mit dem spanischen Präsidenten gebeten, um die ausstehende Zahlung von insgesamt 408 Millionen Euro zu erreichen. Diese waren aufgrund der Abkommen für staatliche Investitionen in Wasserversorgung, Wasserwiederaufbereitung, Bildungsstätten und in den Kampf gegen die Armut zugesagt, aber vor Jahresende nicht überwiesen worden. Wie bereits einige Monate zuvor, als Sánchez ebenfalls auf Lanzarote war und Clavijo um ein kurzes Treffen wegen des starken Anstiegs der Zahl illegaler Flüchtlinge gebeten hatte, gab es erneut keine Reaktion. Erst kurz vor seiner Abreise ließ ihn der Präsident wissen, dass er an der Feier anlässlich des neuen Statuts der Kanaren am 17. Januar auf Gran Canaria teilnehmen werde. Dann wolle er mit Fernando Clavijo zusammentreffen.

Die Einladung des Cabildo-Präsidenten Pedro San Ginés, Lanzarote zu erkunden und beispielsweise die Museen zu besuchen, blieb ebenfalls unbeantwortet. Im Gegensatz zu anderen prominenten Lanzarote-Besucher, wie der britische Ex-Regierungschef David Cameron, der sich unter das Volk mischte und sich für die Schönheiten der Insel interessierte, zog es der spanische Präsident vor, in „La Mareta“ auszuruhen.

Sowohl die Benutzung der Falcon-Maschine der spanischen Streitkräfte als auch der Aufenthalt in der königlichen Residenz, als Nationales Kulturgut deklariert, also dem Staat und den Bürgern gehört, sorgte für Polemik. Der regionale Ableger der rechtspopulistischen VOX-Partei protestierte am ersten Urlaubstag des Präsidenten vor den Türen von „La Mareta“ gegen die Nutzung öffentlichen Eigentums für private Zwecke. Auch spanische Urlauber, die an der Residenz vorbeigingen, zeigten wenig Verständnis für den Urlaub von Sánchez, der ihn keinen Cent kosten würde.

Medien konfrontierten den spanischen Präsidenten mit der Nachricht, dass sein irischer Amtskollege Michael Higgins und seine Ehefrau mit Ryanair nach Gran Canaria geflogen waren, und dort in einem Viersternehotel ihren Urlaub verbrachten, den sie aus eigener Tasche bezahlt hatten.

Die VOX-Politiker waren am ersten Urlaubstag des Präsidenten mit 15 Angestellten des Gefängnisses von Tahíche zusammengetroffen, die Lohner­-

höhungen sowie Neueinstellungen forderten, um die Sicherheit der Gefängniswärter zu verbessern. Die Demonstranten, die mit Pfiffen und Tröten versuchten, von Sánchez angehört zu werden, schlossen sich den Forderungen von Kollegen an, die in mehreren Gefängnissen Spaniens im Oktober und November bereits gegen die schlechten Arbeitsbedingungen gestreikt hatten.

Selbst die Beamten der Guardia Civil, die für den Schutz des Präsidenten abgestellt waren, übten Kritik. Die Vereinigung der Guardia Civil-Beamten (AUGC) prangerte in den sozialen Netzwerken an, die Kollegen würden ungeschützt die niedrigen Temperaturen ertragen müssen und nur eine sehr geringe Extra-Vergütung erhalten. Eine Tatsache, die bereits bei den Besuchen des Ex-Präsidenten Zapatero Anlass zu Kritik gab.

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