Kulturetat wird nur leicht nach oben korrigiert


Die Kürzung im Vergleich zu 2011 bleibt dennoch bei über 50 Prozent

„Es ist als ob Du von einem Lkw überrollt wirst und man muss Dir beide Beine und beide Arme amputieren. Dann wird korrigiert, dass Dir nur ein Bein amputiert wird und Du das andere retten kannst.

Und obendrein wirst Du gefragt, ob Du zufrieden bist“ – so verbildlichte Enrique Mateu vom Krisenkabinett „Gegen die Beschneidung des Kulturhaushalts in Las Palmas“ die derzeitige Situation der kanarischen Kulturszene. Für die Abteilung Kultur sah der erste Entwurf des kanarischen Haushaltsplans im Vergleich zu 2011 eine Kürzung der Mittel um 65% vor.

Nun hat die Regierung nach Prüfung der verschiedenen eingereichten Abänderungsanträge ein, wenn auch nur geringes, Zugeständnis gemacht. Für Kulturelles sollen im Haushalt 2012 anstatt den zunächst geplanten 2,8 Millionen nun doch 4,6 Millionen Euro bereitgestellt werden – also 1,8 Millionen mehr. Für die Vertreter der Kulturszene stellt dieser Kompromiss aber nur ein kleines Trostpflaster dar, mit dem ihr „Überleben“ im kommenden Jahr längst nicht gesichert werden kann. Die Abteilungen „Canarias y el Cine“ (Filmproduktion) muss 2012 beispielsweise mit 100.000 Euro auskommen, die Förderung kanarischer Kultur im Ausland mit nur 105.000 Euro.

Nach Bekanntwerden der Abänderung des Haushaltsentwurfs, der am 22. Dezember im Parlament die letzte Hürde nehmen wird, herrschte in der Szene herbe Enttäuschung. Auch wenn es keine Überraschung war, hatte man sich doch mehr erhofft. Das zugesagte Plus von 1,8 Millionen wird zwar „als nette Geste der Leiterin des regionalen Kulturministeriums“ zur Kenntnis genommen, viel ändern wird es aber nicht.

Der Sektor hatte sich ausgerechnet, 2012 Investitionen bzw. Subventionen in Höhe von mindestens 10 Millionen Euro zu benötigen. Dass dies nicht überzogen ist, zeigt der Vergleich mit 2011, wo 14 Millionen zur Verfügung standen.

Doch nun sehen die Vertreter der Kulturszene, die auf beiden Provinzen Krisenkabinette gegründet haben, langsam auch die letzten Hoffnungen auf ein Erreichen ihres Ziels schwinden. Diese hatten sie auf ein persönliches Gespräch mit Regierungspräsident Paulino Rivero gesetzt, für das sie schon im Oktober einen Termin beantragt und noch immer keine Antwort erhalten haben.

Auswanderung als Rettung?

Nun werden bereits Stimmen laut, die von Auswanderung als letzte Rettung sprechen. Martín Rivero vom Musikveranstalter Rider Producciones rechnet damit, dass aufgrund dieses drastischen Einschnitts im Laufe von 2012 etwa 9.000 Arbeitsplätze verloren gehen werden und befürchtet, dass es die Kulturszene auseinanderbringen wird, weil jeder um die Krümel kämpfen wird. Er sieht seine Zukunft schon anderswo: „Ich erfinde mich bereits neu, und zwar im Sinne von einer Arbeit außerhalb der Kanarischen Inseln.“

Und auch Produzent Enrique Mateu sieht auf den Inseln keine Zukunftsperspektive mehr: „Ich habe bereits fünfzehn Jahre außerhalb der Kanaren verbracht und bin wiedergekommen, als sich die Lage verbesserte. Nun bleibt mir nur der erneute Abschied, so wie vielen anderen auch, denn ich habe eine Familie, um die ich mich kümmern muss.“

Indessen drängt die Leiterin des regionalen Kulturministeriums zu einem Umdenken der Branche und zur „Findung eines neuen Models“. Wie genau der neue „Strategieplan“ aussehen wird und inwieweit er fast ohne öffentliche Subventionen Erfolg haben soll, will sie am 15. Januar bei einem Treffen mit Vertretern der Kulturszene erörtern.




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