Hafen-Erweiterung – Nein danke!


Die Demonstranten wollen ihre Heimatstadt Agaete so erhalten, wie sie ist. Foto: EFE

Über 10.000 Demonstranten trugen ihren Protest auf die Straße

Gran Canaria – Am zweiten Novemberwochenende demonstrierten nach offiziellen Angaben rund 10.000 Menschen in den Straßen der Inselhauptstadt Las Palmas. Nach Schätzung der Organisatoren der Demonstrationen waren es sogar 15.000. Sie protestierten, wie schon zwei Wochen zuvor, gegen die Erweiterung des Hafens von Agaete im Nordwesten Gran Canarias um einen zweiten 500 Meter langen Anleger.

Der Hafen, Puerto de las Nieves genannt, der vor allem durch die Fähren der Reederei Fred.Olsen angesteuert wird, soll nach dem Willen der Kanarenregierung bald Platz für den Fährverkehr weiterer Anbieter sowie kleiner Kreuzfahrtschiffe bieten. Die Erweiterung wird bereits seit zehn Jahren geplant, und der Bau soll noch in diesem Jahr beginnen.

Die Kanarenregierung beschleunigt das Projekt, weil gerade nahe Agaete mit der zweiten Bauphase der Landstraße La Aldea begonnen wurde, welche den Bau mehrerer Tunnel beinhaltet. Deren Abraum soll für Aufschüttungen genutzt werden, welche der zweite Anleger erfordert

Eine erhebliche Anzahl der rund 5.500 Einwohner Agaetes und des Umlandes ist gegen die Baumaßnahme. Man ist nicht überzeugt, dass der zweite Kai für die Bevölkerung spürbare Vorteile bringen wird, da dies schon der Bau des heute bestehenden Hafens nicht vermochte. Der Nachteile ist man sich jedoch gewiss. Man befürchtet eine Veränderung der beschaulichen Kleinstadt zum Nachteil, einen Verlust von Identität.

Sicher ist, dass der Hafenbau eine Menge Schmutz und Lärmbelästigung mit sich bringen wird, und der Strand zwei Jahre lang nur eingeschränkt nutzbar sein wird.

Negative Auswirkungen für die umgebenden Ökosysteme werden ebenfalls befürchtet. Die Gegner argumentieren zudem, dass der heutige Hafen nur zu 25% ausgelastet sei und weitere Fährunternehmen sich problemlos den bestehenden Anleger mit Fred.Olsen teilen könnten.

Auch der Bürgermeister Juan Ramón Martín marschierte mit in der Demonstration. Er steht auf der Seite der Gegner der Hafenerweiterung, seit die Durchführung einer (nicht bindenden) Volksbefragung zu dem Projekt durch die Kanarenregierung abgelehnt wurde. Die Demonstranten trugen Plakate mit Sprüchen wie „Queremos Agaete al natural“ (Wir wollen ein natürliches Agaete), „Macromuelle no“ (Nein zum Riesenhafen) und „No queremos un negocio en nuestro mar“ (Wie wollen kein Geschäft in unserem Meer) und hielten sowohl vor dem Sitz der Inselregierung als auch vor dem Ziel des Marsches, dem Präsidium der Kanarenregierung, Kundgebungen ab.

Das Hafenprojekt erfordert eine Investition von 45 Millionen Euro und sieht eine zweite Anlegemole von einem halben Kilometer Länge vor, an der gleichzeitig zwei Fähren und ein Kreuzfahrtschiff anlegen können. Der alte Kai soll dann 230 Liegeplätze für Fischer- und Freizeitboote bieten.




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