Erste Rückführungen


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170 schwarzafrikanische Flüchtlinge wurden nach Mauretanien zurückgeschickt

Nachdem die spanische Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega bei ihrem Besuch auf Teneriffa garantiert hatte, dass die Flüchtlinge aus Mauretanien entweder in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt oder auf das spanische Festland gebracht werden, fanden am 26. und 27. März die ersten Rückführungsaktionen illegaler Immigranten nach Mauretanien statt.

170 Schwarzafrikaner, die auf illegale Art und Weise die Kanarischen Inseln erreicht hatten, wurden von Fuerteventura nach Nouadhibou in Mauretanien geflogen. Dort hat man sie den örtlichen Behörden übergeben. Bis zur endgültigen Rückführung in ihre verschiedenen Heimatländer – Senegal und Mali – wohnen diese Menschen in Flüchtlingslagern. Da die Immigranten in den Auffanglagern auf den Kanaren nur maximal 40 Tage festgehalten werden dürfen, wurden für diese erste Rückführungsaktion die Personen ausgewählt, die schon über einen Monat in einem dieser Lager auf Fuerteventura verbracht hatten.

Damit hat Mauretanien das Versprechen der Wiederaufnahme von 170 Flüchtlingen aus den Nachbarstaaten Senegal und Mali eingelöst. Wie aus Quellen des westafrikanischen Landes zu erfahren war, erhalten die dortigen Behörden 100 Euro pro wieder aufgenommenem Immigranten. Für mauretanische Verhältnisse allerhand, denn ein Arbeiter verdient im Durchschnitt 60 Euro im Monat.

Auf dem Flughafen Nouadhibou landeten wenige Tage zuvor außerdem drei Maschinen der spanischen Luftwaffe, die Material für den Bau von Flüchtlingscamps und humanitäre Hilfsgüter geladen hatten. 35 Soldaten aus Salmanca und Mitglieder der spanischen Agentur für internationale Zusammenarbeit reisten nach Mauretanien, um vor Ort bei den Aufbauarbeiten der Flüchtlingslager zu helfen. In den Flugzeugen wurden außerdem Nahrungsmittel, Zelte, Stromgeneratoren, Wasserreservoirs und Material für die Ausstattung des Lagers und der Schule transportiert. Die 170 Senegalesen und Malier aus dem Auffanglager auf Fuerteventura wurden allerdings nicht in mauretanischen Flüchtlingscamps untergebracht, sondern direkt vom Flughafen Noadhibou zur Grenze ihrer Herkunftsländer gefahren.

Menschenflut nicht zu stoppen

Während die ersten illegalen Immigranten die Heimreise antraten, bestiegen andere gerade eines der Cayucos, die Fischerboote, die neuerdings für die Überfahrt nach Europa benutzt werden. Aus Mauretanien wird darauf hingewiesen, dass trotz verstärkter Grenzkontrollen immer mehr schwarzafrikanische Flüchtlinge in Cayucos aufbrechen.

Am 27. März wurden im Küstenort Nouadhibou 40 Gambier festgenommen, die gerade mit ihrem Boot ablegen wollten. Am 30. März sichtete ein Patrouillenboot der Küstenwache ein weiteres Fischerboot 36 km vor der Südküste Gran Canarias. 48 Männer waren an Bord. Vier der Flüchtlinge wurden mit Verbrennungen, diversen Verletzungen durch den Kontakt mit Benzin und Unterkühlung in ein Krankenhaus gebracht.

„Wir dachten, sie bringen uns nach Madrid“

Nouadhibou – Die Gesichter der Männer, die in der ersten Rückführungsaktion von den Kanaren nach Mauretanien geflogen wurden, spiegeln unendliche Enttäuschung wider.

„Wir dachten, sie bringen uns nach Madrid“, sagt einer der Flüchtlinge einem Reporter, der sich bis zu dem klapprigen Lieferwagen vorgedrängelt hatte, in den die Männer eingesperrt worden waren sobald sie einen Fuß auf den Boden gesetzt hatten. Doch als sie merkten, dass sie auf dem Flughafen von Nouadhibou gelandet waren, kam die große Ernüchterung. Sie waren wieder dort, wo sie angefangen hatten. Die lange Reise ganz umsonst.

Aliun Cherno, eines der enttäuschten Gesichter, berichtet matt, dass er seine Heimat Senegal vor über zwei Monaten verlassen und allein 40 Tage gebraucht hatte, um Nouadhibou zu erreichen. Das Boot, mit dem er es bis Gran Canaria schaffte, war eine Woche auf See. „Ich werde es nicht noch einmal versuchen, die Reise war zu hart“, sagt er. Ein anderer junger Mann flüstert: „Ich bin traurig, sehr sehr traurig. Ich habe alles verkauft was ich besaß, um die Reise bezahlen zu können. Jetzt kann ich nicht mehr in mein Dorf zurück.“

Das menschliche Drama hinter dem politischen Problem der illegalen Immigration ist unermesslich. Jeder einzelne Mann, der in einem der vielen Boote sitzt, bringt seine eigene und ganz persönliche Vorgeschichte mit. Was aus diesen Menschen wird, wenn sie an der Grenze den Behörden ihres Heimtlandes übergeben werden, weiß niemand. Dass sie in ihr Dorf nicht unverrichteter Dinge zurückkehren können, steht für die meisten fest.




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