Ernster Zwischenfall bei der Atlantic Challenge


Die ägyptischen Teilnehmer Omar Samra und Omar Nour vom Team O2 in ihrem Zweier beim Training für die Atlantiküberquerung. Foto: Facebook Omar Nour

Zwei Teilnehmer der Ruderregatta über den Atlantik erlitten 650 Kilometer von der nächsten Küste entfernt Schiffbruch, ein weiteres Team kenterte ebenfalls

Kanarische Inseln – Eine gefährliche Wende nahm die Teilnahme an der Ruderregatta Talisker Whisky Atlantic Challenge von La Gomera nach Antigua in der Karibik für die beiden ägyptischen Teilnehmer Omar Nour und Omar Samra vom Team O2 in ihrem Boot „Jan“. Etwa eine Woche nach dem Start gerieten sie in einen schweren Sturm und kenterten.

Die beiden Ruderer hatten seit dem Beginn der Regatta am 14. Dezember gerade erst die ersten sieben Tage hinter sich gebracht. Obwohl sie schwierige Wetterbedingungen vorfanden und einer der Teamkameraden an schwerer Seekrankheit litt, sodass er kaum etwas bei sich behalten konnte, waren sie recht gut vorangekommen und hatten 419 Seemeilen (775 Km) geschafft, befanden sich auf Platz fünf der Zweierteams.

Dann gerieten sie in einen schweren Sturm und 85 Km/h schnelle Winde brachten das Boot zum Kentern, sodass es kieloben im Wasser trieb. Eine mitgeführte Seenotfunkboje begann zu senden, und das Signal wurde von der Seerettungszentrale in Madrid registriert. Doch während die Rettungsmaßnahmen von der Leitstelle auf Teneriffa aus eingeleitet wurden, wusste niemand, ob die beiden Abenteurer den Schiffbruch überlebt hatten. Denn der Wettkampfleitung war es nicht gelungen, über das Satellitentelefon Kontakt zu den Ruderern herzustellen.

Sie befanden sich zu diesem Zeitpunkt 350 Seemeilen (650 Kilometer) von der nächsten Küste entfernt, südwestlich von El Hierro. Das Flugzeug Sasemar 103 wurde von Gran Canaria aus zu den Koordinaten des Notrufs geschickt, um die Schiffbrüchigen aus der Luft zu suchen, Flugzeit mindestens dreieinhalb Stunden. Das Schiff, welches zu diesem Zeitpunkt am nächsten war, der griechisch-deutsche Frachter „Kefalonia“ in 80 Seemeilen (rund 150 Km) Entfernung, wurde angewiesen, Kurs auf die Unglücksstelle zu nehmen, über sechs Stunden Fahrt.

Als die Sasemar 103 um 15.15 Uhr am 22 Dezember die kieloben treibende „Jan“ überflog, konnte die Crew daneben eine Rettungsinsel ausmachen. Die „Kefalonia“ war zu diesem Zeitpunkt noch 14 Seemeilen entfernt. Das Flugzeug kreiste bis zu ihrer Ankunft zwei Stunden später über der Stelle. Als der Frachter die „Jan“ erreichte, herrschte Windstärke 7, und die Wellen waren vier bis fünf Meter hoch, sodass mehrere Versuche, die beiden Omars an Bord zu holen, scheiterten. Erst vier Stunden nach ihrem Eintreffen gelang es der Besatzung der „Kefalonia“, Omar Nour und Omar Samra unversehrt an Bord zu holen.

Nach geglückter Rettung und Versorgung der Schiffbrüchigen setzte der Frachter seine planmäßige Fahrt nach Nordspanien fort, wo die beiden Abenteurer fünf Tage später in Avilés an Land gehen konnten.

Die spanische Seenotrettung Salvamento Marítimo würdigte die Besatzung des Frachters „Kefalonia“ für den heldenhaften Einsatz auf hoher See mit einem Dankschreiben sowie über die sozialen Medien für „ihre unersetzliche Anwesenheit und ihr professionelles Geschick“.

Omar Nour und Omar Sam­ra berichteten später auf ihren Facebook-Seiten von ihrer großen Überaschung, als sie erfuhren, dass der Kapitän und die Offiziere des griechisch-deutschen Frachters zufällig Landsleute von ihnen waren. Auch dankten sie der 19-köpfigen Besatzung für ihre Rettung und die großzügige Gastfreundschaft, die sie an Bord erfahren haben.

Auch das Boot des Team Tensing kenterte

Am Nachmittag desselben Tages, an dem das O2-Team kenterte, geriet auch das Team Tensing, bestehend aus den beiden Briten Max Thorpe und Chris Williams in Schwierigkeiten. Gegen 16.00 Uhr wurden Signale ihrer Notfunkbake aufgefangen. Doch im Gegensatz zur O2-Havarie gelang es der Wettkampfleitung dieses Mal, Telefonkontakt herzustellen.

Max Thorpe und Chris Williams vom Team Tensing havarierten am selben Tag wie Samra und Nour. Auch sie konnten unversehrt geborgen werden. Foto: Tensing PE

 

Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 85 Km/h und sechs Meter hohen Wellen war auch ihr Boot umgeschlagen. Zwar hatte es sich wieder aufgerichtet, doch wurde dadurch ein Batteriefeuer ausgelöst, welches das Team seiner Stromversorgung beraubte. Glücklicherweise waren beide Insassen unverletzt geblieben, mussten jedoch angesichts der Schäden aufgeben.  Rund zwölf Stunden nach dem Notruf wurden sie von einem Rettungsschiff aufgenommen.

Kurz vor dem Ziel

Im Verlauf der über drei Wochen andauernden Regatta hat sich das Teilnehmerfeld über tausend Seemeilen auseinandergezogen. Mittlerweile haben die ersten Ruder-Teams ihr Ziel, die Karibikinsel Antigua, fast erreicht, während andere noch bis zu zwei Monate länger unterwegs sein werden.




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