Ein Manifest gegen Gewalt an Frauen


Das diesjährige Lavasandbild zu Fronleichnam ist der Jugend gewidmet und geprägt von der Botschaft „soziale Gerechtigkeit“

Teneriffa – Die Verantwortlichen für den Entwurf des Bildes aus Lavasand, das zu Fronleichnam auf dem Rathausplatz von La Orotava angefertigt wird, haben mit der Wahl der Thematik und ihrem Entwurf aktuelle Probleme der Gesellschaft aufgegriffen. Aus der Zusammenarbeit der Sandkünstler mit dem Gemeindepfarrer ist ein außergewöhnlich fortschrittliches Bild entstanden, das einerseits die Flüchtlingsproblematik und andererseits die Misshandlung von Frauen in den Vordergrund stellt; dies alles unter dem Titel „Die Jugend“.

Domingo González Expósito, Projektleiter, klärte am 3. April bei der Präsentation im Rathaus über die Hintergründe der Thematik und der Wahl der Bilder auf. Das Thema des Bildes sei in diesem Jahr zwar die Jugend, dennoch habe das Motiv auch einen sozialen Charakter, der nicht nur die Jugend betreffe, sondern die gesamte Gesellschaft, erklärte er.

In einem Dossier der Sandkünstlervereinigung wird die Thematik so beschrieben: „Wir wollen auf das fortwährende Unglück der Migranten und Flüchtlinge aufmerksam machen, unter denen auch viele Jugendliche sind. Aber vor allem wollen wir in diesem Jahr den Blick auf ein allzu besorgniserregendes Thema lenken: den Missbrauch und die Misshandlung von Frauen. Dies sind Themen, die bedauerlicherweise jeden Tag in den Nachrichten erscheinen und dadurch erschreckend alltäglich werden und für die sich keine Lösung zu finden scheint. Mit diesem Sandteppich wollen wir mit Bildern die Betrachter für die Hilfe und den Schutz der Bedürftigen sowie für soziale Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen sensibilisieren. Wir hoffen, dass wir uns eines nicht allzu fernen Tages alle gleichberechtigt fühlen können, dass es keine bedürftigen Menschen ohne ein Zuhause und ohne Essen gibt, dass Menschen nicht mehr unter Angst leiden müssen. Wir wünschen uns, dass wir gemeinsam aus dieser Welt einen besseren Ort machen, an dem wir in Frieden und Harmonie leben können.“

Auf der linken Seite des Bildes ist unter einem Bibelzitat aus dem Buch des Propheten Hesekiel (So spricht Gott, der Herr: Lasst es genug sein (…) Tut gewalttätigen Frevel und Unterdrückung hinweg, übt Recht und Gerechtigkeit [Hes 45,9] vor dem Antlitz einer weinenden Frau ist eine liegende, leidende Frau zu sehen.

Auf der rechten Seite wird das gekürzte Bibelzitat „Du sollst das Recht eines Fremdlings (…) nicht beugen [Deut 24,17]) wiedergegeben und die Armut und Verzweiflung von Flüchtlingen mit zwei Bildern dargestellt.

Die Mitte des Bildes, das von Blumen umrankt wird, dominiert schließlich ein Bild des afroamerikanischen Künstlers Thomas Blackshear, das den Titel „Forgiven“ (vergeben) trägt und einen erschöpften Mann in den Armen Jesu zeigt, der um Vergebung, Erlösung und Gnade bittet. Davor ist ein weiterer Mann auf Knien abgebildet, der mit seinen nach oben offenen Händen um Vergebung bittet und die Reue symbolisiert.

Domingo Expósito erklärte, die Botschaft des diesjährigen Sandkunstwerks könne so zusammengefasst werden: Der Mann bittet um Vergebung für seine Taten gegen die Frau, und die Männer und Frauen mit Verantwortung bitten um Vergebung für ihre Untätigkeit beim Schutz der Rechte der Schwächsten.

Fast zwei Dutzend Sandkünstler – Alfombristas genannt – werden ab dem 16. April mit der Anfertigung des überdimensionalen Kunstwerks beschäftigt sein. Für das fast 1.000 Quadratmeter große Sandbild werden rund 1.300 Kilo Lavasteinchen aus dem Nationalpark Las Cañadas del Teide verwendet werden, dieses Jahr in 21 natürlichen Farben.

Wenn die Prozession dann am 7. Juni über das Bild marschiert und es zerstört, werden freiwillige Helfer einen Großteil des Sandes einsammeln, um ihn im „Museo de Alfombras“, dem Sandkunstmuseum der Stadt, wiederzuverwenden.

Das Lavasandbild von La Orotava ist weltweit als das größte seiner Art bekannt, was ein Eintrag im Guinness Buch der Rekorde in Palma de Mallorca bestätigt.

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