Brüssel besorgt über Reifendeponie auf Fuerte


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Auch auf Teneriffa liegen in der Mülldeponie bei Arico Tausende Tonnen Altreifen zur Entsorgung bereit

Im Zusammenhang mit dem Umweltdesaster in der Kleinstadt Seseña südlich von Madrid (siehe Seite 48) ist nun bekannt geworden, dass die Europäische Kommission von Spanien auch im Fall einer Reifendeponie auf den Kanaren Informationen angefordert hat.

Auf der euphemistisch „Complejo Ambiental La Zurita“ genannten Deponie in der Nähe von Fuerteventuras Hauptstadt Puerto del Rosario, lagern etwa 200.000 ausgemusterte Pneus, und der Europäischen Kommission bereitet die Feuergefahr durch die oft hohen Temperaturen und starken Windverhältnisse in diesem Gebiet Sorge. 

In der Mülldeponie La Zurita gibt es eine große Senke, die „Celda 3“ genannt wird, und als Endlager für nicht gefährliche Abfälle dient. Hier lagern Tausende Altreifen. Bereits vor zwei Jahren hat die Umweltbrigade Seprona der Guardia Civil das Cabildo darauf hingewiesen, dass die Anhäufung der Reifen illegal ist. „Die große Ansammlung von Altreifen ist völlig unkontrolliert. Falls es zu einer Gefahren- oder Risiko­­situation wie einem Brand kommen sollte, wäre eine rasche Kettenreaktion die Folge. Die Reifen würden brennen und eine Rauchsäule aufsteigen. Je nach Windrichtung könnte dies auch zu einer Gefahrensituation auf dem nahegelgenen Flughafen führen“, wurde damals moniert.

Nun hegt auch Brüssel Zweifel an der Legalität dieses Reifenfriedhofs bzw. betrachtet die Deponie als potenzielle Gefahr für Mensch und Umwelt. 

Das Cabildo der Insel hingegen beteuert, dass das Problem bereits gelöst sei. Laut der offiziellen Stellungnahme der Inselverwaltung unter Cabildo-Präsident Marcial Morales ist es gesetzlich erlaubt, die Altreifen auf einem zur Abdichtung gegen Grundwasser ausgelegten Untergrund als Grundlage für die Ablagerung von Müll zu nutzen. Nach dieser Darstellung kommt auf die Abdichtungsfolie in der Grube eine Reifenschicht und darüber eine etwa 50 Zentimeter dicke Erdschicht. Darauf wird dann der auf der Insel produzierte Hausmüll abgeladen. Diese Vorbereitung des Untergrundes für die Müllendlagerung wurde im vergangenen Jahr laut Angaben des Cabildos auf der 67.000 Quadratmeter großen „Celda 3“ abgeschlossen. 2.400 Tonnen Altreifen wurden zur Abdichtung des Untergrunds dort verteilt. 

Dennoch räumt das Cabildo in einer Mitteilung vom 16. Mai ein, dass weitere 100 Tonnen Altreifen nicht für die Abdichtung der „Celda 3“ verwendet werden konnten. Die Inselverwaltung habe jedoch bereits Maßnahmen eingeleitet, um im Zeitraum eines Monats einen Weg für die Entsorgung zu finden. Dies sei auch der EU-Kommission mitgeteilt worden.

Weiter heißt es in der offiziellen Mitteilung der Inselverwaltung: „Das Cabildo von Fuerteventura garantiert, dass es keine Brandgefahr im Complejo Ambiental La Zurita gibt und ein ähnlicher Vorfall wie in Seseña bei Toledo ausgeschlossen ist.“

Letzten Meldungen zufolge will sich nun die kanarische Regierung über das Umweltressort darum bemühen, die Reifen von der Deponie Zurita zu entsorgen. 

Der Leiter des regionalen Landwirtschaftsressorts, Narvay Quintero, versicherte, dass die 100 Tonnen Altreifen innerhalb einer dreimonatigen Frist beseitigt werden. Die Frage, was mit den Reifen geschehen wird bzw. wohin sie gebracht werden, konnte Quintero allerdings noch nicht beantworten.

„Sí se puede“ erstattet Anzeige bei Umweltschutzbehörde

Auch auf Teneriffa werden seit Jahrzehnten Reifen in der Deponie von Arico gelagert. Die Reifen sind dort auf neun Parzellen verteilt. Nun hat der Stadtrat der alternativen Partei „Sí se puede“ in Arico eine Anzeige bei der Umweltschutzbehörde Apmun (Agencia de la Protección del Medio Urbano y Natural) eingereicht. Sebastián Martín hält es insbesondere für gefährlich, dass das Gelände, auf dem die Reifen gelagert werden, nicht umzäunt und auch nicht von den übrigen Einrichtungen der Müllhalde abgegrenzt ist.




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